Hebereizung oder was?

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Hebereizung oder was?

Beitragvon Niob » 20. Okt 2007 14:37

Hallo Leute, die es wissen und die es imme schon wissen wollten.

was ist eigentlich eine Hebereizung :?
Wozu ist sie da und was bringt sie :?:
Gibt es Bsp. :?:

Danke schon mal im Voraus.

Gruß Niob
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Beitragvon Karlzberg » 20. Okt 2007 15:33

einfaches beispiel:

krbu kras krko kr09 pi10 piko pi08 heko ka10 ka09

nicht unbedingt ein blatt, das man reizen muss, eignet sich aber gut zu einer hebereize.
wir gehen einmal von vh.position aus, mh hat gepasst, hh reizt uns:
was könnte hh nun spielen wollen? sowohl ein herz- als auch ein karospiel wären denkbar. hiergegen haben wir nun nicht unbedingt das idealste gegenblatt, der alleinspieler wird voraussichtlich recht viele trümpfe führen. wir wollen also ungern ein herz- oder karospiel sehen. daher halten wir hier 18 und auch 20 und können nun beruhigt beispielsweise auf 2 passen. damit hätten wir ein einfaches karo- und herzspiel ausgeschlatet, pik oder kreuz darf der alleinspieler ruhig spielen, da wir hier gut bestückt sind, was die trümpfe angeht.
denkbar wäre zudem, dass der as dennoch herz oder karo spielen will und wir ihn damit nun in ein handspiel getrieben haben. weiterhin wäre eine möglichkeit, dass der as z.b. ohne zwei gereizt hat und nun zu seinem herz oder karo den pikbuben findet.

man muss hierbei natürlich aufpassen, dass man selbst ein annähernd brauchbares spiel hat, da immer die gefahr besteht, dass der as passt. deshalb wäre in obigen beispiel bei 2 schluss, da man sich im zweifelsfall die möglichkeit eines pikspiels offen lassen muss. dennoch bleibt hierbei ein restrisiko, da man auf eine gute findung angewiesen ist.

sehr gerne wird die hebereizung bei nullspielen angewandt.
der sinn dahinter ist, dass man davon ausgeht, dass hohe karten im stock liegen, wenn der gegenreizer nur eine null führt.
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Beitragvon Niob » 20. Okt 2007 18:17

Danke Karlzberg,

zählt das gleiche auch für MH, denn hier habe ich ja keine Infos von HH :?
Ist es allgemein in der Position des Reizenden ohne Abstriche anwendbar :?:
Spielen die Top-Spieler immer diese Masche oder nur wenn sie schwache Gegner haben?
Was passiert wenn zwei Spieler gleichzeitig eine Hebereizung machen?
Ihr seht ich habe viele Fragen.

Bis dann

Niob
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Beitragvon Karlzberg » 20. Okt 2007 20:51

eine hebereize kannst du in jeder position machen.
wichtig ist eben zumeist, dass du die gefahr auf dich nehmen kannst, evtl. ans spiel zu kommen. dazu brauchst du natürlich ein blatt, das wenigstens geringe aussichten auf erfolg hat.

daher ist eine solche hebereize immer vorsichtig dosiert anzuwenden, weshalb ich auch jedem anfänger davon abraten würde!

das ganze setzt nämlich eine gute blatteinschätzung voraus und natürlich auch die kunst, aus eher schlechteren spielen doch noch etwas zu machen.

was nun die starken spieler angeht:
das ist wohl auch von spieler zu spieler unterschiedlich. da wird dann auch nicht so viel unterschied gemacht, wie stark die gegner nun am tisch sind.
prinzipiell würde ich aber sagen: je stärker die gegner am tisch, desto effektiver ist auch die hebereize. schließlich wird es mit zunehmender gegnerstärke auch schwerer, ein spiel zu drehen. da ist es dann natürlich umso hilfreicher, wenn man einen starken as z.b. in ein handspiel reingedrängt hat.
hier kommt aber gegnereinschätzung sehr stark zum tragen. es gibt nämlich auch sehr starke, eher defensivere spieler. die lassen so ohne hebereize dann nicht ohne weiteres mit sich machen.

tja, was passiert nun, wenn zwei spieler gleichzeitig eine hebereize machen? das gleiche, was passiert, wenn zwei spieler ganz normal reizen: derjenige mit dem höheren reizwert wird das spiel bekommen ;)
allerdings sollte das doch eher so gut wie nie vorkommen, da irgendwer wohl ein spiel haben wird, das er eben reizt.
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Beitragvon Niob » 20. Okt 2007 21:16

Also,

für mich klingt die Hebereize nach: Ich reize einfach auf den Skat (was man ja nicht macht) und passt evtl. wenn der Gegener über 23 reizt. :?
Oder. Und mit viel, viel Spielkönnen wird dann das Spiel bei mittelmäßigen Skatfindung gewonnen. Was bei mir fast immer schief geht :cry:
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Beitragvon Karlzberg » 21. Okt 2007 11:42

nein, ein reizen auf den skat ist das ganz und garnicht. im gegenteil: man will das spiel ja eigentlich garnicht haben, man will den andren spieler nur über einen gewissen reizwert drüberheben.
gerade das macht die hebereize so schwierig, nämlich, dass man man ein gutes timing braucht.
was du als reizen auf den skat bezeichnest ist nur der notfallplan.

die hebreize über null hingegen kann man prinzipiell schon als reizen auf den skat bezeichnen. dennoch hat man auch hier im normalfall ein brauchbares spiel, was man auch ohne passenden skat gewinnen kann.

edit:
ich verschiebe das ganze mal in den allgemeinen theoriebereich, da -wie schon erwähnt- anfänger besser keine hebereize versuchen sollten.
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Beitragvon First » 21. Okt 2007 12:21

Typische Blätter für Hebereizungen sind auch Rollmöpse mit eigentlich ganz guter Beikarte mit Assen und 10nen mit denen man sich keinen Null anschauen will.
Gut Blatt
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Beitragvon Skatfuchs » 21. Okt 2007 13:42

Hallo,

wie schon gesagt, sind Hebereizungen nichts für Anfänger.
Auch ich wurde kürzlich von einer sehr guten Skatspielerin (unter den ersten 10 der DEM) durch eine solche Reizung auf's Glatteis geführt.
Ich hatte in VH ein sehr schönes Pikspiel ohne 3 mit Grandoption, wenn noch was liegt. Pikhand wollte ich aber infolge einer blanken 10 nicht spielen.
Die Spielerin in HH reitzte mich in Stufen bis 44, die ich natürlich hielt.
Danach folgten noch 46 und 48, die ich auch hielt (Turniersituation).
Danach passte sie.
Leider lag nur Müll im Skat. Ich hätte noch einen 5 Trümpfer in Kreuz spielen können mit gutem Beiblatt- den traute ich mich aber nicht angesichts der Reizung. So hielt ich kras kr10 krko oben und sagte Grand an!
Mein vorgespieltes kras wurde von ihr sofort verhaftet, mir der Bube abgezogen und schließlich hatte ich noch Mühe, gerade so aus dem Schneider zu kommen!
Es war eine Hebereizung über die Nullouvert! :shock: :oops:

Sie hätte auch große Schwierigkeiten bekommen, ihr Spiel nach Skataufnahme trotz der drei großen Buben zu gewinnen!
Ein Gut Blatt

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Wer sich nach Regeln ängstlich richtet und hinter die Schablone flüchtet, den weihte nie mit seinem Kuß des Skates höchster Genius!
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Hebe-, Unter- und Überreizungen usw.

Beitragvon John » 21. Okt 2007 17:25

Ein interessantes Kapitel!

Vielleicht ist hierzu die Meinung von einem, der sich als Skatpraktiker im Gegensatz zum Theoretiker bezeichnet, interessant:

Wenn ich mein Blatt reize, dann bedeutet dies je nach Veranlagung etwas verschiedenes: Ein offensiv veranlagter Spieler wird sich überlegen, was könnte im Skat liegen, damit ich mein Spiel gewinnen kann, ein eher defensiv veranlagter Spieler wird die umgekehrte Überlegung anstellen.

Der offensive wird durchschnittlich deutlich mehr als 12 Spiele machen, der defensive deutlich weniger. Auf lange Sicht wird der Erfolg dann von der Spieltechnik - schwerpunktweise bei der fehlerfreien, bzw. kreativen Durchführung der eigenen Spiele abhängen.

Spitzenspieler werden sicher in größerem Ausmaß als ich (ich gebe ja zu, das ist eine Schwäche bei mir), beim Reizen mehr Nuancen einbauen und mit denen - gegnerabhängig - gelegentlich Erfolge erzielen.

Meine Erfahrung ist aber, dass Spieler etwa meiner Spielstärke (die an guten Tagen vielleicht mit Oberliganiveau zu bezeichnen ist), die versuchen, mehr mit Reiztheorien zu arbeiten, dabei Schiffbruch erleiden.
Dies gilt übrigens auch manchmal für Spieler gehobener Kategorien, die
mit meiner "Drauflosreizung, um das Spiel zu kriegen" und dem "plötzlichen Passen" erstmals konfrontiert werden.

Worauf ich hinauswill, ist: Lass Anfänger oder solche, die dieses Stadium knapp überwunden haben, nicht glauben, dass man durch solche Feinheiten beim Reizen den Weg zur Mittelklasse schafft!

Bin gespannt auf die Reaktionen!

John
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