2. white tiger - die große Panzerschlacht
Der Titel hört sich reißerisch an, aber der Inhalt passt nicht so richtig dazu.
Die Geschichte in Kurzfassung:
1943: Nachdem eine Gruppe von russischen Panzern von einem weißen Tiger-Panzer zerstört wurde, überlebt nur einer: Ein Panzerfahrer, der total verbrannt ist, über 90 % der Körperöberfläche. Innerhalb von 3 Wochen regeneriert er vollständig und verändert sich: Er kann mit Panzern kommunizieren, und betet zum "Panzergott": Einem Panzerfahrer im Himmel, der einen goldenen T34 fährt und möchte, dass er den weißen Tiger vernichtet. Er und andere Panzer sagen ihm, was er tun soll. So weit, so irre, aber es kommt gegen Ende noch besser: Der Panzerfahrer ist eigentlich tot, ein Zombie. Der weiße Tiger ist auch "tot" und hat keine Besatzung. Ein Zombiepanzer also. Der irrste Zombiefilm, den ich bisher gesehen habe, und das sind so ziemlich alle verfügbaren, schätze ich. Da können nichtmal die "Zombiebiber" mithalten.
Der Panzerfahrer bekommt nach seiner Genesung einen getunten Spezial-T34 und stellt sich dem Kampf mit dem Tiger, der abseits der Kämpfe nicht auffindbar ist. Der Tiger schießt auf kürzeste Entfernung mehrmals vorbei (normalerweise ist bei ihm jeder Schuss ein Volltreffer, er hat schon etliche Panzergruppen abgeschossen), aber der T34 kann ihn trotzdem nur beschädigen. So geht das eine Weile, der Film hat beträchtliche Längen, ich war deswegen geneigt, ihn vorzeitig zu beenden, war dann aber doch zu neugierig. Die Kämpfe zwischen den beiden sind total unrealistisch, der T34 kurvt ständig herum, als könne er seinen Turm nicht bewegen. Das soll wohl ein bisschen mehr Action reinbringen, tut es aber nicht, es ist eher lächerlich, finde ich.
Gegen Ende kommt dann aber nochwas, Zeitsprung nach 1945, Kriegsende. Mit großen Tamtam wird die Kapitulationsurkunde unterzeichnet. Danach kommt der Chef, irgendein hoher russischer Offizier, der schon vorher meistens dabei war, zu dem Zombie-Helden, der gerade an seinem Panzer rumschraubt: Er sagt ihm: "Der Krieg ist vorbei! Der weiße Tiger ist vernichtet, er wurde seit der Schlacht an der Weichsel nicht mehr gesehen.". Zombie antwortet: Es ist nie vorbei. Er wartet. Der weiße Tiger wird wiederkommen. Vielleicht in 20 Jahren, vielleicht in 50 oder 100 Jahren. Er kommt wieder." Eine düstere Vorhersage. Vielleicht hat er bis 2022 gewartet, um für die "ukrainischen Nazis" zu kämpfen.
Und dann die Schlußszene, ich hatte kurz den Verdacht, ich sei irrtümlich zu irgendeinem anderen Film gesprungen:
In einem Saal mit Kaminfeuer und Wandgemälden sitzen sich Adolf Hitler und ein anderer Mann, der im Schatten sitzt und nicht redet, gegenüber. Adolf Hitler führt einen langen Monolog, er redet ganz ruhig, es hört sich nicht nach einer Entschuldigung oder Rechtfertigung an, sondern nach einer Erklärung der Vergangenheit.
Ich habe mir die Szene nochmal angesehen. Ein paar Sachen, die er über die Zukunft sagt, schreibe ich hier nicht, weil es sich aus heutiger Sicht wie pure Neo-Nazi-Propaganda anhört. Was ich aber erwähnen kann: "Wir haben das gemacht, was sich jeder europäische Normalbürger gewünscht hat, sich aber nichtmal getraut hat, es seiner Frau zu sagen. Die russischen Monster und die Juden: Ich habe gesagt: Lässt uns diese beiden Fragen endlich lösen. Ein für allemal lösen. Haben wir etwas neues erfunden? Nein. Wir haben Klarheit geschaffen, Klarheit für etwas, das ganz Europa wollte.... Das was die Menschheit geworden ist, ist sie durch Kampf geworden. Krieg ist eine natürliche Angelegenheit. Krieg wird es immer geben. Krieg ist der Urzustand".
So. Das wars von der Handlung. Weil es ein ganz anderer Film ist als die üblichen russischen oder amerikanischen Patriotenschinken und mich die beiden Szenen im letzten Viertel doch ziemlich beeindruckt haben, habe ich mich auchmal im Internet zu den Hintergründen erkundigt:
Regisseur: "Karen Schachnasarow ist nicht nur Filmemacher, sondern auch langjähriger Leiter des staatlichen Mosfilm-Studios und gilt als prominenter, lautstarker Unterstützer der Politik des russischen Kremls." (Google-KI)
"Patriotischer Auftrag: Der Film wurde mit staatlichen Mitteln gefördert und reiht sich formal in die Welle russischer Blockbuster der 2010er-Jahre ein, die den Sieg im „Großen Vaterländischen Krieg“ (Zweiter Weltkrieg) zelebrieren und das nationale Selbstbewusstsein stärken sollen." (google-KI)
Künstlerische Einordnung "Künstlerisch ist White Tiger ein ambitioniertes Metaphern-Kino. Er nutzt das Budget und die Schauwerte eines monumentalen Panzerfilms, um letztlich eine existenzielle Parabel über die Unausrottbarkeit des Krieges und die Dehumanisierung des Menschen durch Gewalt zu erzählen." (google-KI)
Tschüs!
Weißer Panzerquiek

"Es gibt so Tage, da wehen einen die Urfragen der Menschheit an.
Was ist der Mensch? Wo kommt er her? Und warum ist er nicht dort geblieben?"
(Matthias Beltz, Skat- und Bierforscher, Autor, Jurist, Kabarettist)