Kuriose Situation

Hier dürfen Anfänger ihre Fragen und Spiele zur Diskussion stellen

Kuriose Situation

Beitragvon SAXON » 28. Feb 2026 06:38

Hallo Skatfreunde !

Ich hatte in Vorhand am echten analogen Vierertisch folgendes Blatt:

kaas kako ka09 ka08 heas pias pi09 pi08 kr10 krda

Die beiden anderen Spieler waren weg. Alle bemerken, daß ich nicht sonderlich begeistert bin von meinen Karten. Ich überlege ein Karo-Spiel ohne 4.

Der Kartengeber schaut mir in die Karten und geht davon aus, daß ich auch weg bin. Er deckt aus eigenem Antrieb voreilig die Blinden um. Darin liegen kras he10.

Das wäre nun ein guter Grand ohne 4.

Nun meine Fragen oder auch meine Vermutung wie es sich nach meiner Meinung Skatrechtlich verhalten sollte:

1.- Gehe ich recht davon aus, daß ich das Spiel erhalte, wenn ich 18 sage?

2.- Ich könnte jedoch genauso gut Grand Hand spielen, denn ich als Spieler habe nicht die sichtbar gewordenen Blinden zu verantworten? - Natürlich hätte ich ohne das Wissen der Blinden niemals Grand-Hand gespielt.

3.- Muß ich das Spiel überhaupt noch durchspielen, egal ob Grand oder Grand-Hand? - Denn, daß, Alle Spieler am Tisch den Skat eingesehen haben, und dies durch Verschulden der Gegenpartei, zu der auch der Kartengeber zählt - verursacht wurde, müßte die Gegenpartei ja eigentlich in Jedem Falle verloren haben.

Ich habe es dann auf sich beruhen lassen und das Spiel wurde als eingepaßt gewertet, weil ich nicht in Kampfeslaune und auch ziemlich "baff" von der Situation überfordert war. Ich habe mir das Ganze erst hinterher richtig durchdacht.

Wie seht Ihr die Situation?

Herzliche Grüße
SAXON
 
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Re: Kuriose Situation

Beitragvon Silly » 28. Feb 2026 13:37

Lieber Saxon!

Anscheinend hat dich diese Situation unruhig schlafen lassen. Gut dass du anstatt dich zu wälzen dein Thema hier eingestellt hast.

Der Kartengeber muss deine Entscheidung ob du 18 sagst oder passt abwarten, bevor er den Stock umdreht.

Ich bin Skatanfängerin, denke aber, dass die Gegenseite verloren hat.

Nur ist mir nicht klar ob dann von Karo Hand oder Grand-Spiel ausgegangen wird.

Schön, dass ich hier solche interessanten Impulse bekomme.

In meiner bunt gemischten Wirtshaus-Skatgruppe gibt es immer wieder auch schräge Vorkommnisse. Die ärgern mich zwar auch, aber mit einer Skatordnung brauche ich nicht zu kommen. Es wird alles irgendwie intern verwurstelt.
Allzeit gut Blatt.
Silly
 
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Re: Kuriose Situation

Beitragvon Mathias » 28. Feb 2026 14:41

Silly,

Was Du schreibst, klingt vernünftig, aber so funktioniertes es wohl nicht.
Ohne echte Regelkenntnis, aber mit viel Lesen hier im Forum, meine ich, folgender Ansatz ist richtig:

VH hat noch überlegt, ist also nicht AS, und kann deswegen auch kein Spiel angerechnet bekommen.

VH hat aber auch keinen Fehler gemacht und darf nicht am Spiel gehindert werden. Es gibt viele Situationen in dieser Preisklasse, wie z.Bsp. HH hat 11 Karten etc. Die Lösung ist immer, das Spiel so fair wie möglich fortzusetzen, üblicherweise unter Ausschluss des Dussels, der den Unfug gestiftet hat.

In diesem Sinne hat 1. VH jetzt einen Vorteil, weil er den Skat kennt, und einen Nachteil, weil die anderen ihn auch gesehen haben. Als Schiri an einem ernsthaften Tisch würde ich so entscheiden:

Der Kartengeber ist zu verwarnen.
Die Spieler sind nicht an ihr vorheriges Reizgebot gebunden, inclusive "Weg."
Das Reizen beginnt "von Neuem" -- die Sprache des Skatrechts ist immer eine Freude.
Und Horrido.

Im Klub oder in der Kneipe kann man sich auch einvernehmlich einigen.
Und jetzt bin ich gespannt, was die Cracks dazu zu sagen haben.

cheers -m
Mathias
 
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Re: Kuriose Situation

Beitragvon mr.kite » 28. Feb 2026 15:15

Beinahe perfekt! Nur dass MH und HH wieder reizen dürften, ist nicht richtig. Wer vor Abgabe eines Reizgebots passt, darf auch nicht mehr einsteigen.
Ritter des Ordens der unsichtbaren Hand
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Re: Kuriose Situation

Beitragvon Skatfuchs » 28. Feb 2026 15:47

Hallo,

ja es ist richtig, das Passen ist unwiderruflich. (§ 3.3.8 der ISKO)
Gemäß § 3.3.11 der ISKO kann nun VH entscheiden, ob er Passen oder angesichts des bekannten Skates ein Spiel wagen will.
Beim letzteren nimmt er den Skat auf, legt zwei unbeliebte Karten und sagt ein Spiel seiner Wahl an, was durchzuführen ist und gemäß seinem Ausgang gewertet wird. Im Konkreten Fall kann er auch gleich ein Handspiel ansagen; nimmt aber in Kauf, dass der Skat bekannt ist.
Er hat aber auch nicht automatisch das Spiel gewonnen, da er ja beim Aufdecken des Skates noch nicht AS war.
Ein Gut Blatt

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Wer sich nach Regeln ängstlich richtet und hinter die Schablone flüchtet, den weihte nie mit seinem Kuß des Skates höchster Genius!
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Re: Kuriose Situation

Beitragvon SAXON » 28. Feb 2026 16:05

"Skatfuchs"

Ich bedanke mich für die kompetente Antwort. Ich sehe das ganz genauso - so müßte es nach der "Internationalen Skatordnung" sein.

Ich war mir nur unsicher ob die Gegner direkt verloren haben, oder ob man das Spiel durchspielen muß und es gemäß seines Ausgangs zu werten ist. Da ich nicht die Chance hatte bei ordentlich gelegenen Blinden "Hand" zu entscheiden, ist auch ein Handspiel möglich. Völlig unerheblich ist, ob es erst nach dem unerlaubten Einblick Aller zu einem guten Spiel wurde oder nicht.

Ich sehe mein Anliegen hiermit für geklärt an.

Nochmals Vielen Dank - und weiterhin Allen Gut Blatt
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