Boykottiert die Amis!

Alles, was nicht in eine andere Area passt.

Boykottiert die Amis!

Beitragvon grunzquiek » 20. Jan 2026 21:48

Tag! :sauer:

Es ist einfach unglaublich, wie der amerikanische Präsident sogar mit seinen eigenen Leuten umgeht! Menschenverachtend! Entwürdigend! Ein Bruch mit allen Regeln des menschlichen Anstandes!

Wie können die Amerikaner diesen Menschen überhaupt noch ertragen? Haben sie sich in den letzten Jahrzehnten so sehr verändert, dass so eine Gestalt dort jetzt als normal angesehen wird? Kann diese Geisteshaltung -Gott behüte uns davor-, womöglich auch zu uns überschwappen? Dagegen müssen wir uns wappnen: Kein McDonalds, keine Harley-Davidson, keine Coca-Cola, kein Kentucky-Bourbon! Wir müssen alles boykottieren, was den amerikanischen Irrsinn zu uns rüberbringen könnte! :!:

Gerade eben habe ich in der online-Ausgabe der Zeitung mit dem großen "B" gelesen:

"Morgen kommt – mit 300 Leuten im Gepäck – der Mann, der die Party vermiesen dürfte: US-Präsident Donald Trump (79)"
Er selber reist mit allem Prunk und Protz in einem riesigen Flugzeug, aber seine eigenen Mitarbeiter werden im Gepäckraum gestapelt! :boese:

Wehrt euch!
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Re: Boykottiert die Amis!

Beitragvon MonsieurL » 21. Jan 2026 03:57

Ich hoffe, das war mal keine Ironie, sondern dein voller Ernst. Dem würde ich mich dann vorbehaltlos anschließen. Allerdings mit deutlich anderen Schwerpunkten. Den Kentucky-Bourbon sehe ich - vom Geschmack mal abgesehen - nicht als das Problem an. Auch Harley und selbst McDonalds (vom Geschmack mal abgesehen :rolleyes: ) halte ich auch weiterhin für kauf- bzw. besuchbar. Warum sollte man Bauern, Motorradbauer oder andere "normale" Wirtschaftsunternehmen für die Allmachtsfantasien ihres Präsidenten abstrafen? Da reicht selbst die Tatsache, dass viele davon diesen Wahnsinnigen gewählt haben, nicht aus. Obwohl, heißt es nicht, dass Dummheit bestraft werden muss? :ja:

Dennoch, die Amerikaner sind nicht das Problem. Selbst viele konservative Wähler dieses Monsters merken langsam, dass sie wohl schon mal bessere Ideen in ihrem Leben hatten. Aber Trump geht auch wieder. Leider nicht so schnell, wie es die Welt brauchen würde, aber trotzdem in absehbarer Zeit. Und wer weiß, vielleicht ist sein Wirken ja auch ein Weckruf speziell für Europa, welch Schaden so eine rechtsnationale Gesinnung dem eigenen Land und dem Rest der Welt zufügt. Wirtschaftlich, friedenstechnisch und sozial. Moralische Aspekte blende ich dabei bewusst aus, da Moral in der Weltpolitik derzeit nirgendwo eine Rolle spielt.

Es geht um Macht, um Macht und nochmals um Macht. Und wer diesen Teufelskreis durchbrechen will, muss die wahrhaft Mächtigen bekämpfen. Die, die unabhängig von Einzelpersonen in der Politik immer da sind. Deren Namen trotz Musk, Bezos, Zuckerberg und Co. austauschbar sind. Die meisten davon kennt ohnehin kaum jemand. Es sind die Wirtschafts- und Tech-Giganten, die mit ihrem Geld Einfluss kaufen und in der Regel nicht gerade Anhänger einer Mitbestimmung (im Volksmund auch Demokratie genannt) sind.

Dementsprechend gilt es, andere Dinge zu boykottieren: Amazon, Tesla, Google, Whatsapp, Facebook, Instagram und leider auch YouTube :cry: (wie ich das als Musikliebhaber schaffen soll, weiß ich nicht). Die Liste ist selbstverständlich nicht annähernd vollständig. Und ja, natürlich gehört auch TikTok dort hinein. Die Chinesen sind keinen Deut besser, nur wesentlich klüger. Und russischer Wodka ist ebenfalls vom Einkaufszettel zu streichen. Kauft stattdessen deutsches Bier, französischen Cognac oder spanischen Brandy. Macht in der entsprechenden Menge auch die Birne weich und lässt zumindest für einen Moment die Welt schöner aussehen.
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Re: Boykottiert die Amis!

Beitragvon wing » 21. Jan 2026 07:01

Was mit dem Grönland-Konflikt auf jeden Fall interessant ist: Die amerikanischen Freunde machen etwas, das moralisch nicht in Ordnung ist! Sonst ist es doch eigentlich immer wie in Hollywood- die Bösen greifen die Guten an oder die Guten greifen die Bösen an:
Der böse Russe greift die Ukraine an--> schlimm
Die Chinesen wollen sich Taiwan holen--> wie können sie nur?
Die Israelis führen einen Militärschlag gegen den Iran aus--> das Regime muss besiegt werden
Die USA entführen einen Diktator in Südamerika--> Kampf gegen die Drogen, sehr schön!

Aber jetzt greifen die Guten die Guten an... das gab es so noch nicht. Vielleicht sollte man sich in dem Zusammenhang auch mal fragen, wer die Guten und die Bösen sind. Ist es nur eine Sichtweise unsererseits?

Davon ab- man sollte sich Gedanken um die Berichterstattung machen. Wem fallen auf die Schnelle 3 positive Fakten über Donald Trump ein?
Ein US-Bürger könnte die ohne zu zögern nennen. Der Mann kam nicht ohne Grund (=durch genug Wähler) an die Macht und die sind nicht alle enttäuscht- auch wenn man uns in "good old europe" weiß machen möchte. Das er nicht nur Freunde hat ist dann nur logisch (ich will gar nicht wissen, wie viele Menschen bei uns jedes WE auf der Straße wären, wenn die AFD an die Macht kommt).
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Re: Boykottiert die Amis!

Beitragvon grunzquiek » 21. Jan 2026 07:56

Morje! :tach:
MonsieurL hat geschrieben:Ich hoffe, das war mal keine Ironie, sondern dein voller Ernst.

Doch, das war ironisch bzw. nicht ernst gemeint. Ich wollte damit auf die Schippe nehmen, wie absurd manchmal die Fehlleistungen von Journalisten, heutzutage immer öfter zu lesen sind. Vor allem aber habe ich mich darüber lustig gemacht und überspitzt nachgeahmt, wie heutzutage immer wieder gerne einzelne Wörter oder Worte aufgebauscht und in ihrer Bedeutung absichtlich missverstanden oder der Kontext völlig außer Acht gelassen wird, wenn es dann in die eigenen politischen Ansichten passt. Das ärgert mich immer wieder, aber das scheint heutzutage normal zu sein. Das ist sehr unseriös. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Helmut Schmidt, den ich seinerzeit sehr geachtet habe, sich so verhalten hätte. Und das, obwohl der seinerzeit für mich ein rechter alter Mann war, sozusagen der schlimmste Klassenfeind: Auf der falschen Seite und trotzdem positiv beeindruckend. :?

Im Lauf der Jahrzehnte haben sich meine politischen Ansichten verändert, aber noch mehr haben sich die Parteien und Politiker geändert.

Der Politik von Herrn Trump habe ich anfangs in einer seltsamen Weise zugestimmt: Mir war klar, dass es teuer und auch sonst nachteilig für EU-Mitglieder insbesondere Deutschland werden würde, aber ein bisschen von seiner Politik hätte ich mir hier auch gewünscht: Vor allem, dass er tatsächlich das gemacht hat, was er vorher angekündigt hatte, das habe ich bewundert. Das kra sse Gegenteil dazu ist unser Bundeskanzler. Die Ausrede, mit der SPD sei das alles nicht zu machen, ist für mich nicht akzeptabel: Wenn man niemanden findet, mit dem man sich einigen kann, ohne seine eigenen Versprechen zu brechen, dann soll man es gefälligst sein lassen.

Wie sich der Herr Trump allerdings mittlerweile geriert, lässt mich fast täglich staunen: So einen Präsidenten hatten die USA zu meinen politischen Lebzeiten noch nicht. Reagan war ihm noch am ähnlichsten, bei dem habe ich viel gelacht und mich oft geärgert. Der war meiner Meinung nach einfach senil und etwas spinnert, aber für boshaft oder wirklich gefährlich habe ich ihn im Gegensatz zu Trump nicht gehalten. Es gab auch noch keinen, der sein persönliches Wohl so unverhüllt in den Vordergrund gestellt hätte:

Trump-Schuhe, -Anzüge, -Mineralwasser und -Parfum, geht's noch peinlicher? Ich stelle mir mal vor: Söder-Pantoletten, Bärbel-Bas-Make-Up, Klingbeil-Stützstrümpfe, Reichinek-Kosmetik und Lauterbach-Abführmittel. :lach: :loldev:

Tschüß!
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Re: Boykottiert die Amis!

Beitragvon Skymaster » 21. Jan 2026 18:59

Lauterbach-Abführmittel. :lach: :loldev:

das ist eine Marktlücke :evil:
Zähl' Trumpf und Augen allemal, so hast du nie die "Qual der Wahl", ob Abzuwerfen oder Stechen, und must für's Spiel nicht auch noch blechen!
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Re: Boykottiert die Amis!

Beitragvon MonsieurL » 23. Jan 2026 04:32

@ grunzquiek

Die "gestapelten" Mitarbeitern im Gepäckraum hatte ich schon als Ironie verstanden. Und die Idee, derlei furchtbare Formulierungen auf die Schippe zu nehmen, finde ich auch gelungen. Aber die Ironie hätte ja nicht auf den gesamten Beitrag bezogen gewesen sein müssen. War sie wohl doch, schade. :cry:

Wir liegen bekanntlich politisch an den entgegengesetzten Polen des demokratischen Spektrums. Aber eines haben wir gemeinsam. Wir räumen gerne mit den Mythen und Narrativen der jeweils anderen Seite auf. Und heute möchte ich mal das immer wiederkehrende Narrativ von Trump als dem Erfüller von Wahlversprechen auf seine Substanz prüfen.

Vorher jedoch noch ein paar Bemerkungen zu deinen Aussagen über unseren Kanzler. Dass ich mir einen anderen wünschen würde, muss ich wohl kaum betonen, aber deine Kritik verfängt meines Erachtens nicht. Bei unserer Form der Demokratie und der Entwicklung zu einem Viel-Parteiensystem sind Koalitionen unerlässlich. Es wird in absehbarer Zeit keine Partei geben, die mit absoluter Mehrheit gewählt wird. Dementsprechend muss jede potenzielle Regierungspartei Kompromisse machen, um eine Koalition bilden zu können. Und umso breiter das Spektrum ist, das die an der Regierung beteiligten Parteien abdecken, umso größer sind die Abstriche, die jede Partei von den eigenen Positionen machen muss. Die FDP hat das bei der letzten Regierung irgendwann nicht mehr gemacht und sich entschieden, Opposition in der Regierung zu spielen. Was dabei rausgekommen ist, haben wir alle gesehen und ich glaube, dass das niemandem gefallen hat.

Dennoch verstehe ich deinen Unmut über den Kanzler. Sein Fehler war m.E. aber nicht, dass er sich auf Kompromisse eingelassen hat, sondern dass er vor der Wahl wider besseres Wissen behauptet hat, dass er das nicht tun müsse. Söder hat ja sogar ausgeschlossen, dass die CDU/CSU mit den Grünen zusammenarbeitet. Hätte das BSW nur 0,1 % mehr Stimmen bekommen, hätte er selbst dieses zentrale Wahlkampfversprechen brechen müssen und ich hätte sehr gerne gehört, wie er sich da rausgewurschtelt hätte.

Es ist ein absolutes Ärgernis und m.E. der Hauptgrund für die Politkverdrossenheit so vieler Leute, dass die Mehrheit der Politiker immer wieder vermeintliche kurzfristige Sympathiegewinne suchen, statt den Menschen klar zu sagen, was machbar ist und was nicht. Dazu kommt noch, dass sie sich nicht trauen, unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Ich glaube z.B., dass die Leute sehr wohl verstehen, dass ein Krieg nicht aus der Portokasse bezahlt werden kann und dass daraus auch Folgekosten wie ein deutlich vermindertes oder ganz ausbleibendes Wirtschaftswachstum entstehen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass sie Parteien nicht abwählen, weil sie ihnen plausibel erklären, warum sie im Moment den Gürtel ein wenig enger schnallen müssen. Zumindest wenn die Bemühungen erkennbar sind, die Lasten einigermaßen gerecht zu verteilen.

Nun aber zu Herrn Trump. Zunächst mal ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass der amerikanische Präsident mit einer viel größeren Machtfülle ausgestattet ist als z.B. der deutsche Bundeskanzler. Er muss auch keine Koalition schmieden, hat also ganz andere Aktionsmöglichkeiten als ein deutscher Politiker. Die nutzt er auch, sogar in sehr vielfältiger Weise. Aber am allerwenigsten, um seine großen Versprechen einzuhalten. Mr. Kite kennt sich bestens in amerikanischer Wirtschafts- und Innenpolitik aus und ich bin sicher, dass er meine Defizite hier gern ausgleicht und Details zu Dingen beisteuert, in denen mir das tiefere Wissen fehlt. Aber die großen Allgemeinplätze kann selbst ich problemlos widerlegen.

Fangen wir mit dem Offensichtlichsten an: Den Krieg in der Ukraine hat er nicht binnen 24 Std. beendet. Und auch nicht in einem Monat und auch nicht in einem Jahr. Stattdessen tanzen ihm die Rssen seit einem Jahr auf dem Kopf rum. Schmeicheln ihm, loben ihn und lachen sich hinter verschlossenen Türen tot über den Volldeppen. Aber wenn die Ukraine irgendwann aufgrund nicht mehr genügender Unterstützung kapitulieren muss, wird er sich mit Sicherheit wieder als Friedensengel darstellen und vehement den Friedens-Nobelpreis einfordern. :rolleyes:

Doch das sind für Trump unbedeutende "Nebenkriegsschauplätze". Sein Hauptanliegen ist MAGA (Make America Great Again). Und das hat er ja nach eigener Wahrnehmung schon sehr weit vorangetrieben (das goldene Zeitalter für Amerika hat begonnen). Dann schauen wir doch mal, was er davon wirklich erreicht hat. Die Wirtschaft sieht auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus. Sie wächst deutlich stärker als z.B. bei uns. Aber den Großteil dieses Wachstums frisst die sehr hohe Inflation wieder auf. Und der früher sogenannte "kleine Mann" leidet enorm unter den extrem gestiegenen Lebenshaltungskosten, profitiert aber kaum von den Wachstumsbereichen z.B. im Silicon Valley.

Ein weiteres Problem ist die Altersvorsorge in den USA. Da die Amerikaner kein Rentensystem wie hierzulande haben, stützt sich die Altersvorsorge der Mehrheit auf den Aktienmarkt. Die Börse aber reagiert sehr sensibel auf Unsicherheiten und mag nichts weniger als Unberechenbarkeit. Und dass Trumps Politik gewissermaßen der Inbegriff von Unberechenbarkeit ist, dürfte wohl kaum zu bestreiten sein. Am Anfang seiner Amtszeit hatte das auch fatale Folgen für die Aktienkurse. Mittlerweile hat die unstete Politik für die Börsianer ein wenig an Schrecken verloren, weil man gemerkt hat, dass bei Herrn Trump nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde (siehe Zölle ja, Zölle nein).

Womit wir gleich den nächsten Punkt haben, bei dem er seine Ankündigungen nicht oder nur sehr marginal umgesetzt hat. Doch kommen wir nun mal zu einem Bereich, wo er sich tatsächlich sehr stringent an seine Wahlversprechen hält. Die Ausländerpolitik. Ja, er hat den Bau der Mauer an der mexikanischen Grenze deutlich vorangetrieben. Bis Ende 2026 sind dafür lächerliche 37 Milliarden Dollar größtenteils aus Steuermitteln eingestellt worden und für die nächsten vier Jahre sind bereits weitere 41 Mrd. bewilligt. Als Ausgleich hat er Obama-Care, die Krankenversicherung der kleinen Leute eingestampft. Hat aber finanziell nicht viel geholfen. Trotz der gleichzeitigen Entlassung tausender Staatsangestellter ist die Neuverschuldung enorm gestiegen. Die USA haben mittlerweile über 38 Billionen Gesamtschulden. Dies entspricht einer Schuldenquote von rund 120-125 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Hierzulande haben wir etwa 63 %. Da kann man ja mal so ein paar Milliärdchen für ne schöne Mauer ausgeben.

Auch bei der Ausweisung von Migranten hat die Trump-Administration "Wort gehalten". Rund 600.000 wurden letztes Jahr ausgewiesen (Zahlen des Heimatschutzministeriums). Eine klare Mehrheit davon (die Schätzungen gehen von 60-80 % aus) sind nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Ergebnis: schon jetzt klagen einzelne Branchen, die hauptsächlich mit Niedriglohn-Angestellten arbeiten, über Personalmangel. Da die Regierung die Ausweisungsquoten noch deutlich erhöhen will und viele, die keine gültige Aufenthaltsgenehmigung haben, "freiwillig" das Land verließen und weiter verlassen, werden diese Probleme noch deutlich zunehmen. Schon jetzt aber ist die Stimmung im Land zur Zuwanderung deutlich umgeschlagen. Wollten im letzten Jahr noch 55 % die Zuwanderung beschränken, wollen es jetzt nur noch 30 %. Aber es stimmt, bei der Ausländerpolitik hat Trump umgesetzt, was er vor der Wahl angekündigt hat.

Und es gibt sogar noch einen zweiten Bereich, in dem man dies zumindest partiell sagen kann. Die Drogenbekämpfung. Dabei setzt er sich zwar über amerikanische Gerichtsbeschlüsse und über das Völkerrecht hinweg, aber derlei Kleinigkeiten haben ihn ja noch nie interessiert. Immerhin, Drogenkurier ist zu einem Risikoberuf geworden. Zumindest wenn man gleichzeitig auch noch Venezolaner ist und das Pech hat, dass sich in dem eigenen Land große Mengen Öl befinden, die Donald gern gewinnbringend verkaufen möchte (ob die Mineralölkonzerne da übrigens mitspielen, steht angesichts der hohen und riskanten Investitionen, die sie dafür tätigen müssten, noch gar nicht fest). Die Drogenbarone in Kolumbien bleiben ohnehin unbehelligt. Hier ist dem Donald wohl noch kein Deal eingefallen, der ihm nützlich sein könnte.

Wir halten also fest, weder im wirtschaftlichen, noch im sozialen oder juristischen Bereich und schon mal gar nicht in Bezug auf Vertrags- oder Bündnis-Treue hält Trump sich an seine Zusagen. Lediglich beim Thema Zuwanderung und in Teilen bei der Drogenbekämpfung macht er nach der Wahl das, was er vorher angkündigt hat. Und das trotz seiner enormen Machtfülle. Ob man da bei Friedrich Merz nicht auch ein paar vergleichbare eingehaltene Wahlversprechen findet (z.B. beim Infrastrukturausbau oder bei der Bundeswehr)?
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Re: Boykottiert die Amis!

Beitragvon mr.kite » 23. Jan 2026 12:36

Das mit den Wahlersprechen ist so eine Sache. Beginnend bei den Epstein-Files, die ihm letztlich die eigenen Leute aus der Nase gezogen haben. Das Department of Education ist nicht abgeschafft, dafür gibt es ein Neues (DOGE). Non-Interventionism bedeutet, Iran zu bombardieren und Maduro zu entführen. Die Einsparungen im Militärbereich bedeuten, dass 500Mrd zusätzlich für Rüstung fließen. Das mit der Wahrung der Meinungsfreiheit ist auch eine interessante Interpretation. Was er einhält sind kleine versprechen, die nicht viel kosten. No tax on tips, Freiheit für Krypto und so.

Er kommt deswegen ehrlicher rüber als andere Politiker, weil er sich überhaupt nicht verstellt. Er ist einfach so, wie er ist.
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Re: Boykottiert die Amis!

Beitragvon grunzquiek » 26. Jan 2026 19:05

Tag!
MonsieurL hat geschrieben:Bei unserer Form der Demokratie und der Entwicklung zu einem Viel-Parteiensystem sind Koalitionen unerlässlich. Dementsprechend muss jede potenzielle Regierungspartei Kompromisse machen, um eine Koalition bilden zu können


Das sehe ich anders. Minderheitsregierungen können in anderen Ländern gut funktionieren. Ich habe aber keine Lust, die herauszusuchen. Dazu würden dann wahrscheinlich zu jedem einzelnen Land 1.000 - 5.000 Wörter Erklärung zu Details zur Regierung und der Vorgeschichte der letzten 50 Jahre angefordert werden. Damit wäre ich endgültig überlastet. Ich hoffe, dass du mit deinem Mammutbeitrag bei mir nicht einen Burn-Out provozieren wolltest.

MonsieurL hat geschrieben:Die FDP hat das bei der letzten Regierung... irgendwann nicht mehr gemacht und sich entschieden, Opposition in der Regierung zu spielen. Was dabei rausgekommen ist, haben wir alle gesehen und ich glaube, dass das niemandem gefallen hat.


Wenn sie ein oder zwei Jahre früher ein Ende gemacht hätte, hätte ich sie beim letzten Mal gewählt. Leider hat sich die FDP dann auch noch entschlossen, beim Heizungsgesetz die Wähler zu belügen, nur damit sie in dieser seltsamen Koalition bleiben darf. (siehe "H2-ready-Gasheizungen")

MonsieurL hat geschrieben:Den Krieg in der Ukraine hat er nicht binnen 24 Std. beendet.


Das hat ihm wohl jemand ausgeredet, weil das bei einem Misslingen sehr teuer hätte werden können. Immerhin arbeitet er noch daran.


MonsieurL hat geschrieben:Aber den Großteil dieses Wachstums frisst die sehr hohe Inflation wieder auf.

Nein! Als Maßstab für die Wirtschaftsleistung wird das reale BIP um die Inflation bereinigt: nominales BIP - Inflation = reales BIP = Wirtschaftsleistung

MonsieurL hat geschrieben:Da die Amerikaner kein Rentensystem wie hierzulande haben, stützt sich die Altersvorsorge der Mehrheit auf den Aktienmarkt. Die Börse aber reagiert sehr sensibel auf Unsicherheiten und mag nichts weniger als Unberechenbarkeit. Und dass Trumps Politik gewissermaßen der Inbegriff von Unberechenbarkeit ist, dürfte wohl kaum zu bestreiten sein.


Die Altersvorsorge wurde meines Wissens nicht geändert und von Trump auch keine Änderung versprochen. Davon, dass es Aufgabe der Politik sei, kurzfristige Aktienkursschwankungen zu vermeiden, habe ich noch nichts gehört.

Da frage ich mich schon, ob du ernsthaft glaubst, dass eine Altersversorgung, die auf Aktienbasis ausgelegt ist, für die zu Versorgenden weniger bringt, als das hiesige Rentensystem, das nur mal nebenbei.

MonsieurL hat geschrieben:Trotz der gleichzeitigen Entlassung tausender Staatsangestellter ist die Neuverschuldung enorm gestiegen


Das hat nichts miteinander zu tun. Bei der Reduzierung des Personals fallen zunächst höhere Kosten an, wegen Abfindungen usw. Trotzdem ist es mittel- bis langfristig finanziell positiv. Zudem wurde der Militäretat deutlich erhöht. Hierzulande wir das über "Sondervermögen" finanziert, das hört sich nur besser an.

MonsieurL hat geschrieben:Die Drogenbarone in Kolumbien bleiben ohnehin unbehelligt. Hier ist dem Donald wohl noch kein Deal eingefallen, der ihm nützlich sein könnte.


Ich gehe davon aus, dass ihm dazu sehr wohl ein Deal eingefallen ist: Das wird die neue venezolanische Regierung umsetzen müssen.

MonsieurL hat geschrieben:Ob man da bei Friedrich Merz nicht auch ein paar vergleichbare eingehaltene Wahlversprechen findet (z.B. beim Infrastrukturausbau oder bei der Bundeswehr)?

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Re: Boykottiert die Amis!

Beitragvon grunzquiek » 26. Jan 2026 19:14

Nochmal: Guten Tag!
mr.kite hat geschrieben:Beginnend bei den Epstein-Files, die ihm letztlich die eigenen Leute aus der Nase gezogen haben.

Ich weiß nicht, was er dazu versprochen hat, weil mich das nie interessiert hat. Aus meiner Sicht ist das eine Privatangelegenheit. Falls ihm dabei eine strafbare Handlung vorgeworfen wird, ist es Sache des Staatsanwalts und Gerichts.


mr.kite hat geschrieben:Das Department of Education ist nicht abgeschafft, dafür gibt es ein Neues (DOGE).

Über das Department of Education weiß ich nichts, kann sein, dass er da etwas versprochen hat.
Hat er DOGE nicht auch versprochen?


mr.kite hat geschrieben:Non-Interventionism bedeutet, Iran zu bombardieren und Maduro zu entführen.

Das war ein Konflikt zwischen verschiedenen Versprechen, der sich leider entwickelt hat:
Drogenbekämpfung und Schutz Israels, Beendung eines Krieges (gegen Israel) gegen "Non-Interventionism".

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Re: Boykottiert die Amis!

Beitragvon mr.kite » 27. Jan 2026 10:44

Das ist doch nun schön zu beobachten und wirklich exemplarisch für die aktuelle politische Diskussion. Für den einen ist alles, was Orangeman treibt, schon grundsätzlich des Teufels, weil es entweder gefährlich ist, oder bestenfalls zufällig zu guten Ergebnissen führt. Und für den anderen ist der heilige Donald die letzte Weltenhoffnung, und alles störende ist bestenfalls ein unvermeidlicher Interessenkonflikt.
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Re: Boykottiert die Amis!

Beitragvon grunzquiek » 27. Jan 2026 12:53

mr.kite hat geschrieben:Und für den anderen ist der heilige Donald die letzte Weltenhoffnung, und alles störende ist bestenfalls ein unvermeidlicher Interessenkonflikt.


Nanana!

grunzquiek hat geschrieben:Reagan war ihm noch am ähnlichsten, bei dem habe ich viel gelacht und mich oft geärgert. Der war meiner Meinung nach einfach senil und etwas spinnert, aber für boshaft oder wirklich gefährlich habe ich ihn im Gegensatz zu Trump nicht gehalten. Es gab auch noch keinen, der sein persönliches Wohl so unverhüllt in den Vordergrund gestellt hätte:

Dieser Meinung bin auch ein paar Tage später noch: Boshaft und gefährlich
Es ging in erster Linie darum, ob er seine Versprechen gehalten hat oder nicht, nicht um eine Bewertung seiner Handlungen. Meine Bewertung schiebe ich nach: Teils gut für die US-Bürger, teils schlecht. Für die EU-Menschen überwiegend schlecht.

P.S.: Ich habe den Beitrag bis 12:08 noch ergänzt
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