Die Qual der Wahl

interessante Skataufgaben der täglichen Praxis für Fortgeschrittene

Re: Die Qual der Wahl

Beitragvon Skatfuchs » 22. Sep 2022 13:18

Primrose hat geschrieben:Wie oft wird in der Liga eine Null ohne jegliche Zusatzoption gereizt? Bzw. wie sieht eine reizbate Null gegen zwei andere Reizungen aus, die keinen Null ouvert hergibt? Da fehlt mir einfach die Fantasie. Ein guter Spieler sagte mir mal, Null ist kein Spiel, das man reizt, und da ist ein Stück Wahrheit dran.


Hallo,

das ist leider häufiger als man denkt. Im konkreten Fall hielt VH folgende Karten:

kr09 he07 he08 he09 he10 heko ka07 ka09 kada kaas - eine durchaus reizbare Null ohne andere Spieloption.
Dazu kam noch, dass seine Mannschaft genauso wie meine noch dringend Punkte brauchte.
Ich erlebe es leider sogar, dass man bei manchen Spielern- auch in der Liga- ein Spiel nicht unter 24 bekommt nach dem Motto: "Null geht immer".
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Re: Die Qual der Wahl

Beitragvon Hulsch » 22. Sep 2022 13:55

Die Karte kann man aber auch problemlos auf 46 reizen wenn die Mannschaft Punkte braucht...
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Re: Die Qual der Wahl

Beitragvon HelAu » 22. Sep 2022 14:31

Das Blatt hat aber durchaus andere Spieloptionen, mit heda ka10 im Skat spiele ich nicht mal den sicheren NullOuvert
Wer Rechtschreibfehler findet, darf diese behalten
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Re: Die Qual der Wahl

Beitragvon Skatfuchs » 22. Sep 2022 15:34

Hallo,

@monsieur: Da ist in dem von dir Geschriebenen sicherlich viel "Skatwahrheit" drin.

Nicht ganz übereinstimmen kann ich mit deiner Aussage "Wenn VH also kein kompletter Skatmutant ist (oder ein blutiger Anfänger ohne die kleinste Spur von Talent), wird sie nicht kommen." aus folgenden Gründen:
1. die wahrscheinliche Reizfarbe meines MS (Pik) kann ich nicht anspielen; der MS hält aber wahrscheinlich einen schwarzen Buben.
2. Spiele ich Herz zu fünft an, so macht der AS gleich einen fetten Stich, wenn das klheas bei meinem MS steht oder er sticht möglicherweise in's Leere.
3. Spiele ich klkaas an, so hat der AS evtl. die klka10 besetzt; beim uAss-Anspiel weis mein MS nicht, was er machen soll.
4. Ich habe nur zwei Volle zum Wimmeln und die hoffe ich auf den schwarzen Buben oder auf Pik meines MS unter zu bringen.

Ich spiele hier zwar auch nicht Kreuz blank an, aber da gibt es sicherlich mehr Spieler- auch in der Liga - die dies zum AS in HH tun bei der Struktur des Blattes von VH.
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Re: Die Qual der Wahl

Beitragvon MonsieurL » 22. Sep 2022 16:53

Skatfuchs hat geschrieben:Ich spiele hier zwar auch nicht Kreuz blank an, aber da gibt es sicherlich mehr Spieler- auch in der Liga - die dies zum AS in HH tun bei der Struktur des Blattes von VH.


Na, da bin ich ja beruhigt, dass du wenigstens nicht Kreuz anspielst bei dem Blatt. :)

In der Regionalliga und der zweiten Bundesliga sollte der Anteil der Spieler, die hier Kreuz öffnen, deutlch unter 10 Prozent liegen. In den unteren Ligen mag er höher sein, das kann ich nicht beurteilen. Bei den absoluten Spitzenspielern würde ich auch nicht ausschließen, dass der ein oder andere sich für diese doch - auf den ersten Blick - sehr ungewöhnliche Karte entscheidet.

Warum? Weil er sich vielleicht fragt, womit MH überhaupt 22 reizt. VH selbst hat ja schließlich kein so schlechtes Blatt zum Mitspielen. Er hat beide roten Farben mit jeweils einem Vollen lang und ist Pik frei. Nun kann MH natürlich fünf bis sechs Pik plus einen schwarzen Buben führen. Aber ist der Grand dann überhaupt schlagbar? Doch wohl eher nicht, oder? Gibt er MH aber zwei Buben, spricht doch einiges dafür, dass er zwei lange Farben hat. Das kann aber fast nur Kreuz und Pik sein. Dafür spricht zusätzlich noch, dass HH kein Kreuzspiel ansagt, was er bei 23 schließlich noch könnte. Der Grand ist also entweder bärenstark, oder er hat schlicht kein Kreuzspiel.

So betrachtet, sieht die Kreuz Lusche auf einmal gar nicht mehr so absurd aus, oder? Aber mal im Ernst, wie viele Skatspieler kennst du, die derartige Überlegungen anstellen? Viele gibt es nicht. Und wenn du mal auf so einen triffst, gilt es, den Hut zu ziehen und dem Gegner zu einem verdienten Spielgewinn zu gratulieren.
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Re: Die Qual der Wahl

Beitragvon mr.kite » 22. Sep 2022 20:09

Ich weiß nicht, warum wir das so kompliziert machen. Tatsache ist doch, dass wir mit unserem Blatt nie und nimmer ein sicheres Spiel haben. Tatsache ist auch, dass das Karospiel (nicht nur) bei dieser Verteilung im Schlafwagen für die GP zum Erfolg führen kann. Ein Grand kann für die GP praktisch nie automatisch zum Erfolg führen, sondern erfordert erhöhte Spielkunst und auch Glück, die richtige Idee zu finden. Auch Spitzenspieler finden diese Idee nicht unbedingt, selbst wenn sie findbar ist. Deswegen ist es für mich vollkommen klar, dass ein Farbspiel hier überhaupt nicht in Frage kommt. Alles knifflige beim Grand kommt im Laufe des Spiels, weil es einfach - je nach Drückung - immer einen Weg für die GP gibt, den sie aber halt finden muss.

Ich zumindest möchte diesen Grand als GS nicht spielen müssen, egal ob in VH oder MH bin ich ab Stich 1 unter Druck.
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Re: Die Qual der Wahl

Beitragvon Skatfuchs » 22. Sep 2022 23:37

Hallo,

nun dann machen wir das doch einmal gedanklich umgedreht in der von den meisten Skatfreunden (auch von mir) favorisierten Skatlegung beim Grand: klka10 klheda .
Da gewinnen im Anspiel 7 der möglichen Handkarten von VH für die Gegenpartei; nur Karo klein bringt dem AS den Sieg.

Ich beendete die Serie mit 5:1 miserabel und war aber froh, den Grand nicht verloren zu haben. Die Differenz zum Karospiel von 90 Punkten brachte uns in der Mannschaft in der 2. Serie doch noch zwei Punkte, da außer der führenden Mannschaft des Pikreizenden alle sehr eng zusammen lagen und sogar 2 Mannschaften punktgleich abschlossen.
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Re: Die Qual der Wahl

Beitragvon Primrose » 23. Sep 2022 12:55

Skatfuchs hat geschrieben:
Primrose hat geschrieben:Wie oft wird in der Liga eine Null ohne jegliche Zusatzoption gereizt? Bzw. wie sieht eine reizbate Null gegen zwei andere Reizungen aus, die keinen Null ouvert hergibt? Da fehlt mir einfach die Fantasie. Ein guter Spieler sagte mir mal, Null ist kein Spiel, das man reizt, und da ist ein Stück Wahrheit dran.


Hallo,

das ist leider häufiger als man denkt. Im konkreten Fall hielt VH folgende Karten:

kr09 he07 he08 he09 he10 heko ka07 ka09 kada kaas - eine durchaus reizbare Null ohne andere Spieloption.
Dazu kam noch, dass seine Mannschaft genauso wie meine noch dringend Punkte brauchte.
Ich erlebe es leider sogar, dass man bei manchen Spielern- auch in der Liga- ein Spiel nicht unter 24 bekommt nach dem Motto: "Null geht immer".



Ich kann mich damit aus mehreren Gründe nicht anfreunden.

1. reize ich mit dem Blatt von VH entweder 20 oder 46, niemals 23.
2. reize ich mit dem Blatt von MH ohne taktische Vorgabe immer 44.
3. erlebe ich die Nullreizungen in der Liga gar nicht.

Davon abgesehen finde ich, man sollte für das Karo bei drei Reizungen öfter mal heas heda legen. Man kann das ja eigentlich nur verlieren, wenn einem das As abgeschossen wird.

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Ich finde, das war ein sehr schönes Spiel mit viel Nachdenkpotenzial, das du eingestellt hast. Danke dafür. :top:
Deutschlands bester Vorhandgeber. :)
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