Kurzer Weg, lange Farbe

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Kurzer Weg, lange Farbe

Beitragvon Stummi » 15. Mai 2021 20:18

Hallo zusammen,

immer wieder hört man den Merkspruch "kurzer Weg, lange Farbe" - natürlich kein eisernes Gesetz und eher zur Orientierung gemeint, aber ich bin mir nicht sicher wann dieses Ausspiel genau sinnvoll ist, und vor was aus der langen Farbe ausgespielt wird.

Eine typische Situation, die mich als Anfänger gerne "überfordert" ist folgende: Ich habe in Vorhand, mit dem Alleinspieler in mittelhand 4 oder sogar 5 Karten einer Farbe, vielleicht sogar eine oder beide vollen dabei. Was mache ich hier?

Wenn das Ass dabei ist, und ich das direkt Anspiele, ist es natürlich wahrscheinlich, dass der Gegenspieler die Farbe Blank hat und direkt sticht. Wenn es ganz dumm läuft, und ich in meiner langen Farbe nur ein Volles habe das ich anspiele, kann der Gegenspieler vielleicht sogar Stechen während ich unwillentlich dem Mitspieler die zweite Volle raus ziehe - sehr schmerzhaft. Ganz nach Murphey passiert es natürlich aber jedes mal, wenn ich die lange Farbe von unten anspiele, das der Gegenspieler doch noch eine Lusche hatte zum Wegwerfen, und dann ärgere ich mich genauso, nicht die Volle angespielt zu haben.

Also wann und wie genau findet "Kurzer Weg, Lange Farbe" eigentlich am besten Anwendung?
Stummi
 
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Re: Kurzer Weg, lange Farbe

Beitragvon grunzquiek » 15. Mai 2021 20:48

Tach Stummi! :)
Ich handhabe das gewöhlnich so:

Beim Farbspiel:

beim Alleinspieler in Mittelhand spiele ich die lange Farbe aus, aber nicht die 10.
Wenn ich viele Gegentrümpfe habe, gerne das As. Damit will ich den Alleinspieler in Trumpf schwächen. Bei den Trumpfstichen, die ich bekomme, soll dann mein Mitspieler schmieren.
Ausnahme: Ich habe nur Trumpf-As oder 10. Dann spiele ich gerne blank, damit mein Mitspieler übernehmen und die Farbe zurückspielen und ich dann meinen hohen Trumpf verstechen und somit in Sicherheit bringen kann.

beim Alleinspieler in Hinterhand spiele ich blank, wenn ich wenige Trümpfe habe, damit mein Mitspieler übernehmen, die Farbe nachspielen und ich dann stechen kann. Dann kann ich auf die Trumpfstiche meines Mitspielers schmieren.

wenn ich viele Trümpfe habe, gerne mal eine lange Farbe, bei der ich nicht das As habe, vorzugsweise König oder Dame, um den Alleinspieler dazu zu verleiten, drunter zu bleiben, wenn er das As hat. Dann spiele ich die Farbe nach, mein Mitspieler kann mit einem seiner wenigen Trümpfe stechen. Dadurch bekomme ich mehr Trumpfstiche und mein Mitspieler kann schmieren.

Ansonsten gerne eine Lusche unter der 10, wenn ich 3 Karten in der Farbe habe. Beim Grand kann es auch der König unter der 10 sein, damit der Alleinspieler mitnimmt und ich dann mit der 10 noch einen Stich machen kann:

Was ich niemals nimmer nicht, egal in welcher Situation tue: eine von 2 Luschen ausspielen, da sehe ich überhaupt keinen Vorteil, im Gegenteil: womöglich schneidet der Alleinspieler in Himterhand, und nimmt dann mit dem As meinem Mitspieler die 10 ab. Deswegen halte ich das mit der "kurzen Farbe" für falsch. Blank oder lang wäre besser als Richtline geeignet.
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Re: Kurzer Weg, lange Farbe

Beitragvon Eric » 16. Mai 2021 10:24

Ja, das Anspiel, insbesondere im 1. Stich entzweit erfahrungsgemäß die Skatwelt.

Ich persönlich halte absolut NICHTS davon, das Ausspiel auf den AS oder den Partner generell und einzig und alleine von der Länge der Farbe abhängig zu machen.

Ich hasse einerseits die "notorirschen" Blankaufspieler auf den Partner. ( notorisch weil STETS ohne Berücksichtigung z.B. von Anzahl und Höhe der eigenen Trümpfe und der restlichen 9 Handkarten, der Reizung usw. ).
Ebenso habe ich und vermutlich andere auch schon oft genug erlebt, dass ein Partner mit vielen Trumpf und vielen vollen mit dem stolzen und "mechanischen" Anspiel seiner langen Farbe einen Partner "zwingt" sein einziges oder eines seiner wnigen Vollen auf den Stich geben zu müssen, die aber aufgrund des "Trumpfschiefstandes" locker bei der Gegenpartei gelandet wäre.....

Was man immer berücksichtigen sollte : Kraft Logik wird der Angespielte in der angespielten Farbe immer "geschwächt" , HH wird in dieser Farbe gestärkt, durch die Wahlmöglichkeit, nach dem angespielten legen zu dürfen.
Dieser Grundsatz gilt unabhängig von der Länge der angespielten Farbe.
Beispiele :

Ausspieler : kr07 kr08 krda

Wenn nun der AS in MH "stark" in der Farbe ist mit z.B.
kras krko nützt ihm das alles nichts, die Zehn meines Partner ist früher oder später daheim. Geht sie gleich heim, hat der Partner, falls ihm nichts besseres einfällt auch immerhin ein "ungefährliches" Rückspiel.

Anderes Beispiel :

Aussipeler : he07

Partner : he10 heda he08

AS : heas heko he09

Hier sofort erkennbar : Wenn der AS "kommen" muss, macht die Gegenpartei ( mutig muss sie sein ) gegen ihn zwei Stiche, obwohl der AS durchweg die höhere Karten hat. Muss die GP dagegen immer "antreten", macht bei richtigem Alleinspiel die Gegenpartei keinen Stich, also zwei weniger.
Wenn ich also nun meine blanke sieben aufspiele, und meine ( nichtbeachtete ) Trumfpsituation ( höhere als der Partner ) das "Reinkommen" des Parners für einen "31er" wenn der AS schneidet
he10 heas pi10 ( Trumpf )

unmöglich macht, hat das Blankaufspiel in dem Fall meist einen Stich verschenkt. ( GP kann zwei machen, macht dann maximal 1 ).

Aufgrund der Gesetzmäßigkeit der Schwächung des Angespielten, was ich meinem Partner ja vom grundsätzlichen Gedanken des Spielgewinns eigentlich nicht zumuten will, habe ich mittlerweile ( ganz früher habe ich auch "notorisch" blank gespielt ), meinen "Lehrsatz" angepasst :

Dem Freunde "stark"(e Farbe), dem Feinde "schwach"(e Farbe ) , um aus diesem Grundsatz zu profitieren.
Zuletzt geändert von Eric am 19. Mai 2021 12:02, insgesamt 1-mal geändert.
So ist das Skatspiel eben - manche Spiele verliert man, und manche gewinnen die anderen

Ein Weiser schätzt kein Spiel, wo nur der Zufall regieret.
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Re: Kurzer Weg, lange Farbe

Beitragvon Pgallert » 17. Mai 2021 12:16

Hallo Stummi!

Ich denke, zuerst muss man sich die Karten anschauen: Wieviel Trumpf, wieviel eigene Volle? Wenn es unwahrscheinlich ist, dass man ein As je schmieren kann, dann kann man es auch aufspielen.

Danach Anzahl und Hoehe des eigenen Trumpfs, vor allem: Wie oft werde ich in den ersten Stichen, wo oft Trumpf gezogen wird, vorne sein? Mit Trumpf pibu kr08 bringt mir ein Blankaufspiel oft nicht viel, weil ich gleich wieder dran bin, ganz unabhaengig davon, ob der Alleinspieler in der Mitte oder hinten sitzt. Mit Trumpf kras krko ist das ne ganz andere Geschichte. Und mit nur kr10 als Trumpf gelingt es mir in gefuehlt 0 aus 100 Faellen, die Zehn zu verstechen, aber das ist vielleicht nur mein eigenes Ungeschick.

Die Loesung des angesprochenen Problems, wie man von heas heko heda he07 aufspielt, ist oft, es erstmal gar nicht anzufassen. Nachdem man die anderen Farben mal probiert hat, und ein paar Trumpf gefallen sind, weiss man oft schon, ob man die Farbe spielt, oder schmiert, oder gar mit ihr schneiden muss.
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