Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Fragen zur ISkO

Moderator: Taronga

Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon Eric » 12. Aug 2019 10:51

Angestoßen von mr.kite's Anmerkungen im "nicht alltäglich" Fred mal eine Frage in den Raum gestellt ?

Wer "bekommt Recht" , wenn einer oder eine Gruppe einen Regelverstoß ahnden will, ein anderer oder andere Gruppe nicht ?

Nehmen wir das Beispiel aus dem Fred.

HH reizt versehentlich 48, reklamiert sofort dass er nicht spielen will. Alle Spieler am Tisch einigen sich sofort einvernehmlich darauf, dass VH das Spiel mit den zuletzt gehaltenen 46 erhält. Den ganzen Vorfall hat aber auch der KG des Nachbartisches verfolgt, der nun, z.B. aufgrund auch des Punktestandes in der Turniersituation, einen Vorteil hätte, wenn der "abgeschlagene HH" ein ungewinnbares Spiel gewonnen bekommt, statt VH ein vermutlich sicheres gewinnt. Wenn er nun einen Schiedsrichter ruft, muss der Schiri die - ich denke das steht außer Frage , grundsätzlich zulässige Einigung am Nachbartisch, "überstimmen" oder gibt es, und wenn ja welche, eine Art "Hierachie" in Reklamation von Regelversößten und beim "Rufrecht" für den Schiedsrichter ?

Die ISkO gibt meiner Meinung dazu relativ wenig her.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon Primrose » 12. Aug 2019 12:10

Der KG des Nachbartisches hat da nix zu melden.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon John » 12. Aug 2019 14:17

Jeder Teilnehmer ist berechtigt, einen Regelverstoß zu melden.

Die ISkO gibt meiner Meinung dazu relativ wenig her.
Dem ist zuzustimmen.

Eine Abhilfe des Problems könnte hier wohl nur eine Art Aufwertung der Spielleitungsfunktion, bzw. der Schiedsrichter bringen.

Ich möchte mit diesem Beitrag keineswegs die Möglichkeit ausschließen, dass sich die 4 Spieler am Tisch tatsächlich auf eine "sinnvolle" gerechte Lösung einigen. Aber: Der Schiri, von wem und warum er auch an den Tisch gerufen wird, muss die Entscheidungskompetenz haben, hier einer Tischlösung zuzustimmen oder sie abzulehnen. Und wenn der KG vom Nachbartisch den Eindruck hat, hier geschehe ein "Kuhhandel" zu seinem Nachteil, dann hat er das Recht, einen Schiri zu rufen. Und dessen Aufgabe ist es nun - oder sollte es sein, besser gesagt - die Gesamtsituation zu beurteilen und sie zur Grundlage seiner Entscheidung zu machen.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon Primrose » 12. Aug 2019 14:48

Dann würde ich denjenigen wegen 9.9 beim Schiedsrichter anzeigen - Kiebitzen ist streng verboten.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon mr.kite » 12. Aug 2019 23:00

Da hat John schon Recht. Jecer Teilnehmer - selbst wenn er Kiebitz ist - hat das Recht, Regelverstöße zu beanstanden.

Hinzu kommt noch, dass "Kiebitz" oft für Situationen verwendet wird, die keine Kiebitz-Situationen sind. Ein Kiebitz ist, wer aktiv einem Tisch beiwohnt, obwohl er an dem Ort an dem er steht nicht zu stehen hat. Das ist aber seltener als gedacht. Beispiel:
- Spieler sitzt am Nachbartisch und bekommt etwas mit. Ein Spieler der am Nebentisch sitzt sitzt da zurecht -> kein Kiebitz
- Ein Spieler auf dem Weg zur Toilette bekommt etwas mit von einem Tisch, an dem er vorbeihuscht. Jeder Spieler hat das Recht, auf Toilette (oder Rauchen oder was auch immer) zu gehen. Wenn er dann etwas mitbekommt und bemängelt ist das kein Kiebitzen.
- Ein Spieler hat seine Serie beendet und steht alleine oder auch gemeinsam mit anderen Spielern in einem Grüppchen zusammen, ohne seine Aufmerksamkeit einem bestimmten Tisch zuzuteilen. Das ist zwar uU unhöflich (je nach Lokalität aber auch unvermeidbar), aber kein Kiebitzen.

Typischer Schutzzweck des Kiebitzverbots ist zu verhindern, dass Mannschaftskollegen als "Spiegel" fungieren, indem sie (hinter einem Gegenparteimitglied stehend) Hinweise auf Kartenstand oder Spielweise geben können. Darüberhinaus ist es vielen auch einfach unangenehm, wenn sie "angegafft" werden. Darum ist es jederzeit möglich, einen Kiebitz wegzuschicken. Das verbietet es dem Kiebitz und erst recht dem berechtigten "Mitkrieger" aber in keiner Weise, Regelverstöße zu beanstanden (selbst wenn er anschließend gehen muss).
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon John » 14. Aug 2019 10:35

Danke! Mal ein Beitrag, mit dem ich - klar, ist ja auf meinen bezogen - voll inhaltlich übereinstimme.
Allerdings gehst du, MrKite, nicht auf das Grundproblem ein, das in Erics und meinen Gedanken auftaucht. So wie Primrose es sieht, ist es also nicht zu lösen.
Wie aber dann?

Ist eine Tischeinigung, die zwar vernünftig klingt und eine gute Lösung wäre, wenn kein Schiri entscheiden müsste, nun bindend oder nicht? Ist es generell positiv im Sinne des Gesamtgeistes einer Skatregel, einem Schiri die Pflicht aufzubürden, unvernünftig, aber im Sinne der Regel, zu entscheiden, weil er halt nun einmal - letztlich berechtigt - von wem auch immer an den Tisch gerufen wurde?

Wieder so eine Grundsatzfrage, der viele hier gerne ausweichen.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon Pgallert » 14. Aug 2019 10:56

Also ich sehe das so:

Wird auch nur ein Verdacht auf Regelverstoss dem SchiRi gemeldet, dann muss sie dem nachgehen. Stellt sich heraus, dass ein Regelverstoss begangen wurde, dann muss sie nach ISkO entscheiden, wenn das moeglich ist, und nach Gutduenken, wenn nicht. Beides uebertrumpft eine eventuelle Einigung am Tisch.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon Eric » 16. Aug 2019 09:50

Ok, wenn ich das mal zusammenfasse.

John sagt, Schiri rufen darf jeder, so lange die "Tischlösung" aber in Ordnung ist, zieht der gerufene Schiesrichter nach Prüfung der "Ordnungsmäißigkeit" wieder von dannen. Ich möchte hier aber Wert darauf legen, dass eine "ordnungsgemäße Tischlösung" aber auch darin liegen kann, dass ein tatsächlicher Regelverstoß nicht geahndet wird.

Pgallert geht in die Richtung, jeder gemeldete Regelverstoß MUSS auch geahndet werden.

Ich denke Letzteres wäre nicht gangbar. Was wir bräuchten wäre eine klare "Hierachie" in der Ahndung von Regelverstößen. Die sollte meiner Meinung nach so sein.

1. Geschädigte Partei

2. Andere Partei bzw. Mitspieler am gleichen Tisch.

3. Alle anderen Teilnehmer.

Und wenn man dann noch eine "Sicherung" für den von John ins Spiel gebrachten Fall einbaut, dann wäre das schon gut handelbar denke ich.

Also ein Beispiel für die Hierachie:

Ich als Alleinspieler schaue nach der Spielansage nochmals versehentlich den Skat an. Die Gegenpartei an meinem Tisch bemerkt das zwar, will diesen - ganz klaren Regelverstoß - aber "durchgehen" lassen. Dann kann kein anderer Teilnehmer der Veranstaltung ( weil in der Hierachie weiter hinten ) erreichen, dass mir das Spiel sofort als verloren geschrieben wird.

Jetzt bliebe nur noch die Frage, wo fängt der Kuhhandel an, und wo nicht?

AS spielt zum 1. Stich eines absolut unverlierbaren, teuren Spiels unberechtigt aus. Die GP ist gnädig und lässt ihn zurücknahmen. Ausch das kann schon "zu Lasten" eines Dritten gehen. Dennoch würde ich dafür plädieren, hier der - in meinen Augen legitimen - Tischentscheidung den Vorrang vor der - ebenfalls berechtigten - Reklamation eines Regelverstoßes durch einen Dritten zu geben.

Anderes Beispiel : AS macht einen kleinen Spielfehler, die GP gelangt so aus dem Schneider. Beim "Nachkarteln" wird es allen klar, dass der sonst so gute AS eben kurz unaufmerksam war, und man "einigt" sich darauf, ihm die Gewinnstufe Schneider dennoch zu geben. Klingt für mich schon eher als Kuhhandel.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon John » 16. Aug 2019 16:26

AS spielt zum 1. Stich eines absolut unverlierbaren, teuren Spiels unberechtigt aus. Die GP ist gnädig und lässt ihn zurücknahmen. Ausch das kann schon "zu Lasten" eines Dritten gehen. Dennoch würde ich dafür plädieren, hier der - in meinen Augen legitimen - Tischentscheidung den Vorrang vor der - ebenfalls berechtigten - Reklamation eines Regelverstoßes durch einen Dritten zu geben.



Nun gelten natürlich die Regeln für alle gleich. Klingt ja gut! Aber hier Beispiel 1: Am Spielabend, ein etwas zerstreuter Mitspieler älteren Semesters, hört vielleicht schlecht; glaubt nach der Spielansage zum Grand (in jeder Position absolut unverlierbar) einen Wink gesehen zu haben, der als Aufforderung zum Ausspiel interpretiert werden könnte.

Gleiche Szene bei einer DM oder auch bereits einem VG-Turnier. Wer könnte hier berechtigt protestieren?

Mal eine ganz ketzerische Frage: Viele Clubs spielen doch ihre Spielabende oft ohne einen amtlich geprüften Schiedsrichter. Geht das dann noch nach DSkV-Regeln?

Für mich stößt hier - wie so oft - die Regelgläubigkeit als Universalproblemlöser an ihre Grenzen.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon mr.kite » 16. Aug 2019 18:57

Eric hat geschrieben:Also ein Beispiel für die Hierachie:

Ich als Alleinspieler schaue nach der Spielansage nochmals versehentlich den Skat an. Die Gegenpartei an meinem Tisch bemerkt das zwar, will diesen - ganz klaren Regelverstoß - aber "durchgehen" lassen. Dann kann kein anderer Teilnehmer der Veranstaltung ( weil in der Hierachie weiter hinten ) erreichen, dass mir das Spiel sofort als verloren geschrieben wird.

Jetzt bliebe nur noch die Frage, wo fängt der Kuhhandel an, und wo nicht?

Eric, so schlecht bist Du nu auch nicht, dass Du diesen Fall nicht absolut komfortabel mit der bestehenden ISkO lösen kannst:
Stufe 1: Kein Mensch reklamiert den Regelverstoß -> es wird weitergespielt
Stufe 2: Ein Spieler vom Nebentisch reklamiert den Regelverstoß -> Nun MUSS jeder Schiedsrichter entscheiden, dass AS einen Regelverstoß begangen hat. Ob sich der Tisch darauf einigt dass es kein Reglverstoß ist ist hierfür völlig irrelevant.
Stufe 3: Wenn die unschuldige Partei das möchte kann sie nach jedem Regelverstoß ohne Angabe von Gründen verlangen, dass das Spiel weiter durchgeführt wird. In diesem Fall gilt der Regelverstoß als nicht begangen.

Was mal wieder zeigt, dass es völlig sinnlos ist, die ISkO aufzupumpen, wenn der einzige der das fordert nichtmal die aktuelle zu Ende lesen kann.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon John » 16. Aug 2019 22:37

Bitte noch ein bisschen exakter.

Stufe 3 und Stufe 2 können zeitlich vertauscht sein oder mehr oder weniger gleichzeitig ablaufen.

soooo konfortabel geht das also nicht automatisch ab.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon John » 16. Aug 2019 22:37

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Zuletzt geändert von John am 17. Aug 2019 09:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon John » 16. Aug 2019 22:37

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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon John » 17. Aug 2019 09:51

Ich will vielleicht noch ein kleines Gewürz in das schmackhafte Essen streuen.

Vor wenigen Tagen eine Situation am Dreiertisch. Ich bin AS, ein GS ist mit oft eigenwilliger Auslegung regelinteressiert, der andere wenig vertraut mit Regelspitzfindigkeiten.

Mein Grand ist nach wenigen Karten dicht, bis auf kras kr07. Die GS haben 28 Augen.
Ich lege auf und deute mit dem Finger auf die Kreuzlusche, nonverbal.

GS 2 meinte, ich hätte verloren. Ich nahm die Gelegenheit wahr, ihn über die neue Facette des Regelwerks bei abgekürzten Spielen zu informieren.

Interessant nun die Einschaltung von GS 1: "Du hättest so, wie du das gemacht hast, bei mir auch in der alten Regel nicht verloren, denn ich hätte erklärt, dass du angemeldet hättest, dass noch ein Stich abgeht."

Mal angenommen, es wäre ein Vierertisch gewesen. Wäre nun ein Schiri zur Entscheidung gekommen, was dann? Zweifellos habe ich keinen Ton gesagt, wohl aber auf die Karte gedeutet.
Ist die Anerkennung nun eine Rechtsbeugung, ein Zugeständnis an einen gesunden Menschenverstand, normal oder vielleicht gar eine Verhinderung einer unmöglichen pervertierenden und perversen Entscheidung? Bzw. anders gefragt: Zeigt nicht dieser "Nicht-Fall" auf, wie überfällig eine Anpassung der offiziellen Entscheidungspraxis an die normale Fairnesspraxis gewesen ist?

Insoferne, nun auf MrKites komfortable Lösung bezogen:

Stufe 1 ist eine banale Selbstverständlichkeit.
Stufen 2 und 3 helfen so nicht weiter. Das MUSS des Schiris ist das Problem. Und bleibt es.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon mr.kite » 17. Aug 2019 11:07

Ich weiß nicht wo hier die Schwierigkeit liegen soll.

A: Wenn die GP nach einem Regelverstoß Weiterspiel verlangt, dann wird weitergespielt. Völlig unabhängig davon, wer wann zu welchem Zeitpunkt den Regelverstoß moniert. Denn das ist der Unterschied zwischen Teilnehmer und Mitspieler: Jeder Teilnehmer darf Regelverstöße anzeigen, aber nur Mitspieler dürfen entscheiden, was spieltechnisch damit passiert. Ausnahmen sind disziplinarische Maßnahmen, die stehen selbstredend nicht den MS zu.

B: Abkürzungen sind keine Regelverstöße. Auch misslungene Abkürzungen sind keine Regelverstöße und damit nach völlig anderen Maßstäben zu entscheiden. Das äußert sich zum Beispiel daran, dass "nur-Teilnehmer" nichts zu schnabeln haben, sondern einzig und alleine Mitspieler zuständig sind (bis zur Grenze des 1.1.5).
Darüber hinaus ist die Ansicht von GS1 genau die Ansicht, die ich als Schiedsrichter auch vertreten hätte. Nur kommentarloses Aufdecken verpflichtete den AS nach alter Regel, alle Stiche zu machen. Es stand aber nirgends geschrieben, dass ein Kommentar zwingend in Worten zu erfolgen hat. Genauso wie Reizgebote (auch heute noch) nonverbal abgegeben werden geht das auch mit jeder anderen Erklärung.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon John » 17. Aug 2019 16:21

Natürlich hast du Recht, Michael. Dennoch glaube ich, dass du die vielleicht 4 bis 5 % Skatspieler ausklammerst, die sehr wohl das Regelwerk kennen (jedenfalls die Paragraphen, die sie kennen wollen), es aber dazu benützen, um für sich einen, scheinbar oder anscheinend regelkonformen Vorteil zu erzielen.

Jeder langjährige Skatspieler wird solche Beispiele erlebt haben. Und genau die erkennen eben die Schwierigkeit, weil sie sie selbst erlebt haben. Dass solche oder vergleichbare Situationen dann eben sogar ordentliche Gerichte beschäftigen müssen - für mich unverständlicherweise - zeigt eben, dass die Praxis nicht so einfach ist, wie du sie - theoretisch - darstellst.

Mal ein selbst erlebtes Bonmot, das sogar irgendwie zum Thread passt.

Ich gewinne in Spiel 45 einen Grand. Mitspieler und KG diskutieren, wie sie den Gewinn hätten verhindern können. Einfache Listenführung. Die nächsten 3 Spiele werden durchgeführt, dann sind wir überraschend und ohne Gebefehler bei Spiel 47 in der Eintragsliste. Beide Mitspieler von Spiel 45 erinnern sich an den Grand, den der Listenführer (KG des Spiels) nicht eingeschrieben hat. Nun weigert er sich, ihn nachzutragen, weil er sich nicht erinnern könne und ruft den Schiri.

Ich selbst bin der zuständige Tischschiri und gebe ihm zu verstehen, dass der Schiri das Spiel als eingepasst werten müsse. (Die Zeile für das Spiel 45 ist also immer noch leer). So sei das auch richtig, war nun sein Standpunkt.

Nur eine geniale Bemerkung von mir rettete mir nun das Spiel und damit den Turniersieg.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon Kantholz » 17. Aug 2019 22:05

Will Er sein Herrschaftswissen ob des genialen Turniersieges uns zur Kenntnis bringen?
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon John » 17. Aug 2019 22:21

Nach einer Nacht Spannung gerne!
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon mr.kite » 17. Aug 2019 23:05

Kantholz hat geschrieben:Will Er sein Herrschaftswissen ob des genialen Turniersieges uns zur Kenntnis bringen?

Die Geschichte steht schon 2mal im Forum... mindestens.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon Primrose » 18. Aug 2019 00:39

mr.kite hat geschrieben:
Kantholz hat geschrieben:Will Er sein Herrschaftswissen ob des genialen Turniersieges uns zur Kenntnis bringen?

Die Geschichte steht schon 2mal im Forum... mindestens.



Nein bei der anderen Geschichte war es Spiel 44 und es wurde erst bei Spiel 48 bemerkt. Gerade bei einem Spieler wie John, dem exakte Fallschilderungen wichtig sind, um die Feinheiten der Regelkunde zu erforschen, bin ich mir sicher, dass es sich um eine neue Geschichte handeln muss.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon John » 18. Aug 2019 09:07

Dachte ich es mir doch, dass das schon mal drinstand. Kompliment für gutes Gedächtnis, ich schätze mal einige Jahre.

Dass es aber völlig egal auch für die exakteste Fallschilderung (vielleicht hätte ich schreiben sollen "kurz vor Ende der Serie) ist, ob 44 oder 45 sollte klar sein. Und bekanntlich spielt ja bei einer Eintragskorrektur und richtiger Geberfolge auch die Blockbestimmung keine Rolle.

Tja Kantholz, nun muss ich leider, um nicht die anderen Schreiber durch eine Wiederholung zu belästigen, darauf verzichten, deinen Wissensdurst zu befriedigen.

Schönen Sonntag!
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon mr.kite » 18. Aug 2019 14:22

Ja tatsächlich, das erste Mal gibt es die Geschichte im Jahr 2008. Aber durch regelmäßige Wiederholung, zuletzt im Februar vergisst man sie natürlich nicht mehr.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon marvin » 18. Aug 2019 21:14

Wie schon richtig geschrieben, gibt es bestimmte Regelverstöße, die durch die jeweils andere Partei "akzeptiert" werden können. Zum Beispiel:
- AS spielt unberechtigt aus --> die zwei oder drei anderen Spieler am Tisch (Gegenpartei inkl. Kartengeber) können verlangen, dass die Karte zurückgenommen wird und der richtige ausspielt.
- Ein GS bedient nicht und es wird sofort bemerkt --> AS kann verlangen, dass die Karte zurückgenommen wird und korrekt bedient wird.
- Ein GS macht eine unzulässige Bemerkung (Kartenverrat) --> AS kann das tolerieren.
In diesen und ähnlichen Fällen wird das Spiel nach der Korrektur normal fortgesetzt, und da kann kein Spieler von einem anderen Tisch und auch keine Turnierleitung etwas dagegen sagen.

Aber es gibt auch Regelverstöße, wo es dieses Recht nicht gibt. Dazu gehört die unberechtigte Skateinsicht während des Reizens (denn zu diesem Zeitpunkt gibt es noch keine Parteien), neu Geben trotz ordnungsgemäßer Kartenverteilung oder eben der "Kuhhandel" über die Frage, wer das Reizen gewonnen hat. Werden solche Regelverstöße von einem anderen Teilnehmer geahndet, kann (muss) der SR eine regelkonforme Entscheidung treffen, auch wenn sich der Tisch auf etwas anderes einigt.
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon Eric » 19. Aug 2019 20:09

mr.kite hat geschrieben:Ich weiß nicht wo hier die Schwierigkeit liegen soll.

A: Wenn die GP nach einem Regelverstoß Weiterspiel verlangt, dann wird weitergespielt. Völlig unabhängig davon, wer wann zu welchem Zeitpunkt den Regelverstoß moniert. Denn das ist der Unterschied zwischen Teilnehmer und Mitspieler: Jeder Teilnehmer darf Regelverstöße anzeigen, aber nur Mitspieler dürfen entscheiden, was spieltechnisch damit passiert. Ausnahmen sind disziplinarische Maßnahmen, die stehen selbstredend nicht den MS zu.



Die Schwierigkeit liegt darin, dass Du in deinem vorherigen Beitrag in Stufe 2 eben vergessen hast, das VOR der Reklamation des Regelverstoßes durch den Teilnehmer am Nachbartisch einzubauen.

Und dann ist es eben nicht mehr klar. Weil du dann auch eine "Hierachie" in das Recht, Regelverstöße zu beanstanden, einbaust. ( Und genau darum geht es mir ja. Nicht wie man nach Wortlaut ISkO entscheidet, sondern ob das so richtig ist ).

Und deine Hierachie geht meiner Meinung nach NICHT eindeutig aus der ISkO hervor. Weder bei 4.1.6 ( schuldige Partei ist zum Weiterspiel verpflichtet ) noch bei 4.5.1 ( Jeder kann reklamieren ) steht ausdrücklich dran, dass der andere Paragraph "im Zweifel" vor- oder nachrangig ist. So ein kleiner Nebensatz würde jede Zweideudigkeit aus solchen Fällen nehmen, und keineswegs die ISkO "aufblasen".
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Re: Wer sticht wen bei Regelverstößen ?

Beitragvon Eric » 19. Aug 2019 20:11

marvin hat geschrieben:Wie schon richtig geschrieben, gibt es bestimmte Regelverstöße, die durch die jeweils andere Partei "akzeptiert" werden können. Zum Beispiel:
- AS spielt unberechtigt aus --> die zwei oder drei anderen Spieler am Tisch (Gegenpartei inkl. Kartengeber) können verlangen, dass die Karte zurückgenommen wird und der richtige ausspielt.
- Ein GS bedient nicht und es wird sofort bemerkt --> AS kann verlangen, dass die Karte zurückgenommen wird und korrekt bedient wird.
- Ein GS macht eine unzulässige Bemerkung (Kartenverrat) --> AS kann das tolerieren.
In diesen und ähnlichen Fällen wird das Spiel nach der Korrektur normal fortgesetzt, und da kann kein Spieler von einem anderen Tisch und auch keine Turnierleitung etwas dagegen sagen.

Aber es gibt auch Regelverstöße, wo es dieses Recht nicht gibt. Dazu gehört die unberechtigte Skateinsicht während des Reizens (denn zu diesem Zeitpunkt gibt es noch keine Parteien), neu Geben trotz ordnungsgemäßer Kartenverteilung oder eben der "Kuhhandel" über die Frage, wer das Reizen gewonnen hat. Werden solche Regelverstöße von einem anderen Teilnehmer geahndet, kann (muss) der SR eine regelkonforme Entscheidung treffen, auch wenn sich der Tisch auf etwas anderes einigt.


Auch das geht meiner Meinung nach nicht aus der ISkO hervor. Die spricht nur sehr allgemein von "schuldiger Partei" die auf Verlangen der anderen Partei - ganz allgemein gehalten - zum Weiterspiel verpflichtet ist.
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