Skatmythen - Das Blankaufspiel

Theoretische Abhandlungen, Motive, Tricks, Handlungsanleitungen.

Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon MonsieurL » 12. Aug 2015 22:20

Zu diesem Theorieteil wurde ich von einem Beitrag von 264points im Mülleimer inspiriert. Zum besseren Verständnis des Einstiegs wäre es daher hilfreich, den ursprünglichen Thread vorher nachzulesen. viewtopic.php?f=22&t=10591

264points hat geschrieben:Ich bin zwar kein Fan von blank spielen aber ne dolle Öffnung hab ich ja auch net wirklich, also mal seine Prinzipien brechen:


Mit Deinem ersten Teilsatz, liebe Sandra, würdest Du beim von mir kürzlich vorgestellten Altmeister (viewtopic.php?f=22&t=10538) tosenden Applaus ernten. Das gilt natürlich insbesondere für ein Blankaufspiel mit vier Atout, das noch vor wenigen Jahren als Todsünde verschriien war, da sich der trumpfstarke Spieler damit vermeintlich auf Schuss setzt und somit schwächt.

Aber der Altmeister wäre nicht der Altmeister, sondern der an Jahren alte Meister, wenn sich in der Theorielehre vom Skatsport nicht so manche mutmaßliche Erkenntnis als überholt oder sogar falsch herausgestellt hätte. Das von vielen Vereinsspielern nach wie vor verächtlich als Kneipenskat titulierte Blank spielen ist dafür vielleicht das beste Beispiel.

Ein von mir hochgeschätzter Vereinskamerad ist ein absoluter Fan des Blankaufspiels. Nach seiner Einschätzung ist es bei Farbspielen in über 90 % der Fälle gut. Als ich diese Aussage vor einigen Jahren das erste Mal hörte, war ich - obwohl ich meine frühere Blankphobie schon lange überwunden hatte - ob der hohen Prozentzahl ein wenig skeptisch, aber mit der Zeit glaube ich immer mehr, dass er richtig liegt.

Nun werden viele Skatspieler aufschreien, das sei ja prinzipiell möglich, aber mit vier Atout sei es doch nun wirklich Blödsinn, blank zu starten. Das ist in einigen Fällen auch sicher zutreffend, aber längst nicht in allen.

Nehmen wir z.B. das Blatt von Sandra (Zur Erinnerung: klhebu klheas klheko klhe09 klkr09 klpiko klpida klpi07 klka08 klka07 gespielt wird Herz und der AS sitzt in HH)

Hier ist blank m.E. alternativlos, da jede andere Karte viel wahrscheinlicher Schaden anrichten würde. Aber das sind typische Notfallausspiele zur Schadensvermeidung, die wohl kaum ein Plädoyer für Blank spielen rechtfertigen.

Deshalb machen wir es uns einfach und setzen den AS in MH, da es in dieser Sitzreihenfolge keine verbotenen Aufspiele gibt. VH hat also die freie Wahl des Angriffs. Die Trümpfe lassen wir außen vor (nehmen wir einfach mal an, sie seien mittelstark) und geben VH folgende Fehl-Karten:

pias piko pi09 he08 ka09 ka07

Die meisten Skatspieler würden hier mit Pik eröffnen, um den AS auf Schuss zu setzen. Manche mit dem Ass, andere mit der 9. Das Ass zu spielen finde ich schwach, da es meist gestochen wird und der AS jetzt bei vielen Spielen nur noch seine Fehlvollen durchziehen muss und schon gewonnen hat. So wird z.B. jeder Viertrümpfer sofort gesund gespielt. Dazu kommt die Gefahr, dass man dem AS die 10 hochspielt und ihm damit ein sonst ungewinnbares Spiel schenkt. Gut ist das Ass eigentlich nur, wenn der AS die Farbe blank bedienen muss.

Zu zweiterem Anspiel sei mein Kommentar in einem Frage-Antwort-Spiel untergebracht:

Frage: Welches sind die drei dünnsten Bücher der Welt?
Antwort: Das Eritreische Kochbuch, das Buch über die italienischen Heldentaten im Zweiten Weltkrieg und das dritte habe ich gestern geschrieben. Es heißt: Gute Unter-Ass-Aufspiele auf den AS in MH. Es hat genau 0 Seiten. :D

Okay, das ist jetzt ein wenig übertrieben, weil ich gerade in letzter Zeit die Spiele kaum noch zählen kann, die wegen dieses Sch...-Anspiels nicht umgedreht wurden. Die 9 anzuspielen ist vermutlich besser als das Ass, aber sie ist aus meiner Sicht auch gleich die zweitschlechteste Karte, mit der man eröffnen kann. Für mich ist bei diesem Blatt ein Pik-Ausspiel im ersten Stich ein Tabu.

Ich würde stattdessen mit diesen Karten immer blank starten. Natürlich nicht, um danach stechen zu können. Im Gegenteil, stechen will und werde ich die Farbe fast nie. Das Blank-Aufspiel hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen kann ich auf die Farbe vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt mein Ass schmieren. Weiterhin kann ich u.U. meine Karo Lusche(n) entsorgen, um einen potenziellen Doppelläufer des AS zu verhindern. Denkbar ist auch, dass sich der AS verschneidet und nicht zuletzt gibt es eine ganze Reihe Spiele, bei denen der AS innig hofft, dass Schuss kommt, um bei einem Wenigtrümpfer sein Trumpf-Volles zu verstechen, um anschließend in Fehl den Sack zuzubinden.

Dabei will ich es im Moment belassen. Ich hoffe und glaube, dass schon in dem bisher Geschriebenen genügend Stoff für eine streitige Diskussion steckt, auf die ich mich schon freue. :)

Beste Grüße vom Monsieur
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon Eric » 12. Aug 2015 23:56

Mensch Monsieur, jetzt wollte ich gerade ins Bett, und dann kommst Du noch mit so einer wahrhaft gehaltvollen Analyse daher. Tusind tak !

Ich finde, im Skat gibt es keine Regeln ( außer natürlich die Fortsetzung von "kurzer Weg = lange Farbe , langer Weg = kurze Farbe , die da lautet : Holzweg ? = Bild ! :mrgreen: ), und deshalb alleine schon ist es sowohl falsch zu sagen, "blank ist immer falsch," genauso falsch ist aber "blank ist immer richtig".

Vor kurzem erklärte ich einer netten, ambiotionierten Skatspielerin, die ich aber immer noch unter meinem Niveau einschätze : Blank ist nicht immer richtig. Und noch seltener richtig ist, in Ermangelung einer blanken Karte "irgendeinen" Zweierzug ( weil kürzeste Farbe ) aufzumachen. ( In deinem Beispiel ohne Blanke wird dann generell!!!! der Zweierzug mit zwei Luschen aufgemacht - auch auf den Partner, unabhängig von der eigenen Trumpfzahl. Aber auch hier musste ich hinzufügen : Es gibt keine Garantie, dass das nicht doch mal genau der einzige richtige Zug sein kann.

Wenn ich heute bei meiner wohlverdineten Nachtruhe von Blankaufspielen träume, bist Du schuld .... :razz:
So ist das Skatspiel eben - manche Spiele verliert man, und manche gewinnen die anderen

Ein Weiser schätzt kein Spiel, wo nur der Zufall regieret.
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon Hintereisen » 13. Aug 2015 11:10

Mir war das Blankaufspiel eigentlich gerade deshalb immer sehr sympatisch weil es oft viel über die Kartenverteilung der Fehlfarbe(n) verrät. Hat mein Mitspieler die Farbe lang, geht er vermutlich von einem Blankausspiel aus und kann sich somit ausrechnen wie die Farbe beim AS steht. U.U. im weiteren Verlauf auch schneller über dessen Drücken und somit einem großen Faktor seiner gewählten Gewinn-Taktik.

btw. kann es bei Trumpfstärke auch wunderbar zur Mülltrennung verwendet werden... (abwerfen)
Wer vor 27 passt, der mauert!
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon 264points » 13. Aug 2015 11:57

Hallo Monsieur,

da haste nun ne Diskussion angefangen...
Das ist sicherlich ein Thema, über das man sich tod diskutieren kann, denn fragste zu dem Thema 10 verschiedene Spieler dann kriegste 10 unterschiedliche Antworten.
Ohne genaue Zahlen zu kennen, denke ich, dass die "Freunde des Blankspiels" und die "Blankspiel-Hasser" sich ungefähr die Waage halten.
Wie schon in meinem Thread erklärt, gehöre ich zweifelsohne zu der letzteren Fraktion. Das bedeutet aber nicht, dass ich es trotzdem nicht hin und wieder tue da es halt auch immer ein bissel Situationsabhängig ist und sich in manchen Situationen keine bessere Aufspielkarte ergibt.

Unterscheiden sollte man aber unbedingt ob der AS in MH oder HH sitzt.
Wie du schon erwähnt hast gibt es kein verbotenes Aufspiel wenn der AS in MH sitzt. Dem stimme ich zweifelsohne zu, nur ist mein Standpunkt da "dem Feinde lang". Also wenn ich in VH die Wahl habe den AS in MH mit einer 4er-Länge anzuspielen oder blank, dann wirst du es bei mir nie erleben, dass ich blank spiele.
Ist der AS in HH dann spiele ich noch viel unlieber blank denn ich verachte Spieler, die ihrem Partner mit 10 Karten in der Hand als erste Karte die 10 in MH kaputt spielen und möchte auf keinen Fall zu dieser (leider sehr großen) Gruppe gehören...

Hierzu ein Beispiel:
Es kommt relativ häufig vor, dass ich als AS in HH mit folgender oder so ähnlicher Karte sitze:
krbu hebu pi10 pida pi09 heas kaas kako kada ka07

Gespielt wird Pik und nach dem Blank-Aufspiel der ka09 ist das Spiel für mich doch schon so gut wie durch.

MH kann nu die ka10 legen (was er eigentlich machen sollte bei ner Lusche) und dann kann der Aufspieler mir im Laufe des Spiels den König abstechen... Tut mir nicht weh

Oder aber MH bleibt mit der ka08 drunter, ich als AS nehme den kako und im Laufe des Spiels kann mir der Aufspieler ka10 kaas abstechen. Da dieser aber 4 Trumpf gegen mich hat tut mir auch das nicht weh, im Gegenteil, wenn sich der Trumpfmann auf Trumpf setzt kommt mir als AS das sehr entgegen...
Wäre in diesem Fall ein Kreuz-Aufspiel gekommen, dann hätte ich die Karten gegen 4 Trumpf und besetzter Karo 10 wohl an die Wand nageln können...

MonsieurL hat geschrieben:
Ein von mir hochgeschätzter Vereinskamerad ist ein absoluter Fan des Blankaufspiels. Nach seiner Einschätzung ist es bei Farbspielen in über 90 % der Fälle gut.


Klar ist es manchmal richtig blank anzuspielen. Aber meiner Meinung nach ist es vielleicht in 20% richtig und in 80% falsch. Leider weiß man das erst immer nach dem Spiel...

MonsieurL hat geschrieben:Hier ist blank m.E. alternativlos, da jede andere Karte viel wahrscheinlicher Schaden anrichten würde. Aber das sind typische Notfallausspiele zur Schadensvermeidung, die wohl kaum ein Plädoyer für Blank spielen rechtfertigen.


Passender kann man es wohl nicht ausdrücken. Im Notfall JA aber sonst meiner Meinung nach ein klares NEIN

P.S. Man muss natürlich auch unterscheiden WAS man blank aufspielt.
Eine blanke 10 oder ein blankes As spiele ich sehr häufig bis fast immer auf. Aber von einem blankem Bild oder einer blankem Lusche lass ich (sofern es irgendwie eine Alternative gibt) grundsätzlich die Finger weg
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon mr.kite » 13. Aug 2015 13:24

Es ist halt auch immer eine Frage der Alternativen. Ein beliebtes Ausspiel ist ja das von der 10 zu dritt. Ich liebe dieses Ausspiel. Ein Beispiel von gestern Abend:

Ich sitze in HH mit einem durchwachsenen Blatt. Ich brauche aber noch ca 500 Punkte in 3 Kästchen, also rauf auf jeden Ansatz. Leider lag so richtig gut gar nicht drin:

HH: hebu he10 heko he08 he07 pias pi09 ka10 kako ka07

Im Skat durfte ich 4 Augen entdecken. Beide in Kreuz :(. VH begann nun von Pik-10 zu dritt:
1. pi07 piko pi09 Was bliebe mir auch anderes, als der Schnitt?
2. pida pias pi08
3. he07 heas heda
4. Nun hatte der Ausspieler ein ernstes Problem. Er entschied sich schließlich Pik-10. Nach einer weiteren Trumpfrunde kam MH mit dem Alten an den Stich (der natürlich auf Pik-10 gehört hätte, schon klar). In Ermangelung von Ahnung über den Stand bekam ich nun auch noch Kreuz-As in den Rachen geworfen. Nun ein Einschub zum 4-Trumpfmann und gegen Karo 2:2 war meine 10 nicht mehr zu kriegen für die GP. Sicherlich im Mittelspiel war nicht jede Karte punktgenau ums mal vorsichtig auszudrücken. Aber einfach ein zügiges blankes Kreuz hätte die Karte schnell und unspektakulär entschieden, selbst wenn das AS-Blatt noch wesentlich stärker gewesen wäre (zB Kreuz-Bube noch beim AS). So ist das Spiel einfach viel schwerer zu lesen.

Aus meiner Erfahrung ist bank eigentlich nur schlecht, wenn man in die 4er-Farbe des AS trifft. Sobald man also irgendwelche Indikationen hat, dass die blanke Karte beim AS NICHT zu viert steht ist blank fast immer die beste Karte.
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon Primrose » 13. Aug 2015 14:24

Ach komm, das gehört doch in den Mülleimer.
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon mr.kite » 13. Aug 2015 14:27

Zugegeben, das Beispiel hinkt. Aber durch Austausch von ein bis maximal zwei Karten ists passend.
HH: pibu hebu he10 heko he08 he07 pias pi08 ka10 ka07
Skat: krko kr09
und der 4-Trümpfer in VH mit Blank-Allergie mach nun von Pik-10 zu dritt statt blank Kreuz auf. und kann sich nun nicht auf eventuelles Kreuz-Nachspiel Karo-As blankstellen.
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon carpe diem 87 » 13. Aug 2015 14:54

Ich würde behaupten das sich die Skatwelt darüber nicht streitet... ich kenne keinen einzigen guten Spieler der der Meinung wäre blank = schlecht...
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon 264points » 13. Aug 2015 16:19

carpe diem 87 hat geschrieben:ich kenne keinen einzigen guten Spieler der der Meinung wäre blank = schlecht...


Ich auch nicht. Aber ich kenne auch keinen guten Spieler der sagt blank = gut

Bevor ich hier missverstanden werde will ich noch was ergänzen:
Ich sage nicht, dass es prinzipiell falsch ist blank zu spielen. Es gibt halt Situationen in denen man gar keine andere vernünftige Alternative hat als blank zu spielen.
Was mich nur nervt das sind diese notorischen Blankspieler, die immer wieder und immer wieder und immer wieder blank anspielen und dadurch dem AS das Spiel schon im Aufspiel gewinnen obwohl sie viel bessere Öffnungen gehabt hätten
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon MonsieurL » 13. Aug 2015 16:56

Oh, das war noch vor 5 - 10 Jahren anders. Da waren viele gute Spieler der Meinung, dass blank nur selten richtig ist. Deshalb habe ich dem Thread auch den Titel Skatmythen gegeben. Aber mittlerweile hast Du recht. Es gibt wohl keinen anderen Spielzug, bei dem die Bewertung durch die Spitzenspieler so einem radikalen Wandel unterlegen ist. (Anmerkung des Autors: dieser Absatz bezieht sich auf Kai, Sandra's Beitrag hat sich überschnitten)

Lasst mich, angeregt durch Kite's Beitrag, ein weiteres Beispiel hinzufügen. Wir haben wieder vier mittelstarke Trümpfe, aber diesmal sitzt der AS hinten. In unserer Beikarte führen wir

pi08 he10 heda he07 kada ka09

Viele Skatspieler stehen auf ein Anspiel von der 10 zu dritt. Sitzt der AS in der Mitte, mag ich das auch. Aber wenn er hinten sitzt, überhaupt nicht. Ein anderer, ebenfalls hochgeschätzter Vereinskamerad, ist sogar von diesen Anspiel jedes Mal total angefressen. Er sagt - und damit hat er absolut recht - die 10 ist nach diesem Anspiel fast immer verbrannt. Hat der AS das einmal bestellte Ass, wird er, wenn es das Spiel erfordert, schneiden. Hat er das Ass zu dritt mit dem K, schneidet er sehr oft ebenfalls und lacht sich ins Fäustchen, wenn er mitbekommt, dass wir der trumpfstarke Gegner sind.

Noch fataler aber wird das Anspiel, wenn der Partner das Ass hat. Hat er es zu zweit, muss er selbst als Trumpfschwacher drauf und das Ass ist meist futsch, da ein guter Spieler, wenn er drei schlechte Karten in zwei Farben hat, fast immer die Zweierfarbe komplett wegdrückt. Hat er es zu dritt, traut er sich womöglich nicht drauf, und der AS wird seine Lusche mit vier Augen los. Hat er gar eine Viererlänge, wird er, wenn VH keine Geschwidigkeitsannoncen gibt, von einem Blankausspiel ausgehen und könnte sich genötigt sehen, das Ass zu legen.

Um dieses Elend zu umgehen, spiele ich - ihr könnt es euch sicher schon denken - auch mit diesem Blatt immer blank. Dass das auch nicht in jedem Spiel des Pudels Kern ist, davon legt Sandra's Beispiel ein beredtes Zeugnis ab. Ich würde ihr aber in einer Hinsicht widersprechen. Es kommt eben nicht relativ häufig vor, den AS in seine Viererlänge einzuflanken, sondern ziemlich selten. Wenn es doch mal passiert, verbuche ich es halt unter Künstlerpech. Schließlich wächst mir kein Gras aus de Schuhe. Da ich auch nicht der Gattung der Kraniche angehöre, muss ich den ersten Stich nun mal ins Blaue hineineröffnen. :)
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon ThomAss » 13. Aug 2015 17:58

MonsieurL hat geschrieben:Es gibt wohl keinen anderen Spielzug, bei dem die Bewertung durch die Spitzenspieler so einem radikalen Wandel unterlegen ist.


Mal die Spitzenspieler etwas außen vor gelassen, weil vielleicht haben die das schon immer anders / besser gespielt, fällt mir höchstens noch das unterm Ass gespiele ein, wenn der AS in MH sitzt.
Vor 15 Jahren als ich das Skat spielen angefangen habe, konnte man in 99,9999% der Fälle auf einen ausgespielten König in MH immer die 10 legen, um sie nach Hause zu bekommen. Als das dann auch vom letzten GS begriffen wurde, wurde eher zur Lusche gegriffen, selbst wenn man den König hatte. Als man dann wiederum feststellte, dass das ja auch irgendwie Mist ist, wurde direkt das Ass gespielt, blank aufgespielt oder eine komplett andere Farbe gewählt. Allerdings habe ich vor 15 Jahren nicht mal ansatzweise gegen Spitzenspieler gespielt, wobei sich das aus meiner Sicht trotzdem insgesamt sehr sehr lange gehalten hat, auch bei den guten / besseren Spielern. Das hat sich mittlerweile aber auch stark selbst bis in die untersten Ligen gravierend verändert. Das ist zumindest mein Eindruck / Erfahrung. Mittlerweile wird eben zurecht z.B. häufiger blank gespielt / alternative Aufspiele gewählt.
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon Skatfuchs » 13. Aug 2015 18:06

Hallo,

das ist wirklich ein sehr interessantes Thema, bei dem sich real die "Skatwelt" in den letzten Jharen sehr gedreht hat.
Ich vertrete hier die Auffassung von Sandra und spiele zum AS in MH wirklich nur sehr selten blank an.
Dies hauptsächlich dann, wenn ich kein besseres (langes) Aufspiel habe, die blanke Farbe die Reizfarbe meines MS ist oder ich einen kurzen augenträchtigen Trumpf verstechen möchte.
Ein Gut Blatt

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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon Andner68 » 14. Aug 2015 07:05

Ich kann mich einigen Vorschreibern anschließen und aus meiner eher unerfahrenen Sicht beifügen, dass ich vor ca. 10-15 Jahren das erst mal einen Skatclub in meiner Region aufsuchte um einerseits mein Kneipenskatniveau aufzubessern und andererseits regelmäßig Spielpartner anzutreffen um meinem Hobby nachgehen zu können. Dort wurde mir neben der Gegenfarbe, man spielt seinem Mitspieler keine 10 raus aufs Deutlichste das Blankanspiel verboten. Der Verein ist so mittelprächtig anzusiedeln und hat Mannschaften von VG bis RL; allerdings bin ich der Überzeugung, dass dort und auch vielen anderen Clubs noch immer die gleichen "Lehrsätze" herrschen wie damals. Abgesehen von 2 Spielern, die sich durchaus noch in starkem Umfeld behaupten können.

Es ist super, dass MonsieurL mit einzelnen Skatmythen aufräumt und ich lese "gierig" Diskussionen über spezielle Spielzüge in allen Foren hier mit. Ich meine, dass sich meine Spielstärke dadurch verbessert hat und vergnüge mich seit ca. 5 Jahren nur online. Es sei denn eine Dienstreise oder andere Zufälligkeiten bringen mich in Zentren der Skatwelt wie Berlin; dann spiele ich immer wieder gerne live mit und erfreue mich der Spielstärke der Gegner um Neues und Besseres am eigenen Geldbeutel, ähhh Leib zu spüren.
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon carpe diem 87 » 14. Aug 2015 08:11

264points hat geschrieben:
Ich auch nicht. Aber ich kenne auch keinen guten Spieler der sagt blank = gut


Dann solltest du dich mal mit den Spitzenspielern deiner Seite Unterhalten. Im DOSKV spielen ja zum Glück auch RICHTIG GUTE Spieler wie Sniper777, BarcelonaXavi, JimiHendrix und noch ein zwei andere, und von zumindest 2 dieser genannten wirst du (falls du mal die Gelegenheit hast mit diesen eine Hand zu diskutieren) zu 90% hören, :"Ja die blanke natürlich, ist doch klar!"

Ich kenne dutzende Spieler die ich als wirklich Gute Spieler einordnen würde welche diese Aussage so unterschreiben würden.
Wo ich allerdings immernoch meine Zweifel habe ist das blank im Grand. Dazu muss meine Karte wirklich wenig andere Optionen haben, denn hier sehe ich es öfter das man so in eine offene 4 er länge spielt, oder gar in die geschlossene 4-5 er bei einem 2 Bauern Grand.
Aber ich habe lieber einen notorischen blank Spieler am Tisch als einen notorischen unter Ass Spieler. Du kennst doch sicher auch Belerofon, das ist z.B. eine(r) meine(r) Lieblings Kandiaten. Gegen sie lasse ich mit sehr goßen Erfolg alle blanken 10 ner oben wenn sie reizt. Dabei ist es diesem Spieler auch noch vollkommen egal wo der AS sitzt, ob HH oder MH unterm Ass kann ja nie falsch sein, denn wenn die 10 beim AS steht geht das Ass danach ja auch noch ....
Genauso verhält es sich mit der 10 zu 3 auf den AS in HH, die ersten Punkte hat Monsieurl ja schon gut ausgeführt, was ich aber für viel wichtiger halte ist der Umstand das man hier ja nur ein Bild oder eine Lusche aufspielt was unter Umständen den Sieg schon unmöglich macht da hier die blanke des AS steht welche für den Spielgewinn mit 21 weggehen muss. Diese Chance bzw Option will ich mir nicht nehmen lassen. Des weiteren ist es auch immer so ein unklares Anspiel, angenommen die Karten stehen in einer Farbe so:

VH
ka10 kada ka09
MH
kako ka08 ka07
HH (AS)
kaas

1. ka09 ka07 kaas

MH kommt nun durch Trumpf ans Spiel und weiß eigentlich nicht genau wo er dran ist, war es ne blanke wäre das Nachspiel der Farbe falsch da hier sonst der Schnitt mit der Dame kommt, oder man andererseits einen Stich verschenkt, daher Entscheidet sich MH nun für eine andere Farbe, was bei VH den Eindruck erwecken könnte "Ah er hat kein Karo mehr, dann hat (bzw hatte) der AS da seine 3 er länge..."
Bei der blanken kann das kaum passieren, man spielt sie flott aus, der MS sieht die blanke und kann dann entscheiden ob es gut oder schlecht ist diese Farbe gleich weiter zu spielen.
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon HomerJay » 14. Aug 2015 09:38

Ich kann da nicht mit irgendwelchen Prozenzahlen um mich werfen, wann gut wann schlecht - häufig blieben mir jedoch Spiele in Erinnerung, wo ich als AS in Hinterhand in der Beifarbe was in der Art hatte:

pi10 pida pi08

...und nach dem ersten Stich piko pias pi08 das Spiel quasi gelaufen war... hätte wesentlich unangenehmer ausgehen können, wenn ich selbst mit Pik hätte antreten müssen.

Vielleicht kann man irgendwie in der Skatfuchs-DB herausfinden, wann blank richtig und wann falsch gewesen wäre?
Der Optimist glaubt, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben, und der Pessimist befürchtet, dass das stimmt.
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon Miri23 » 14. Aug 2015 09:42

Sehr interessanter thread, Monsieur, aber das haben wir ja schon reichlich gehört.
Als ich anfing, ging Blankspiel nur bei 5 Trumpf, Reizfarbe des Nachbarn oder wahlweise 1-2 Trumpf (war das aus dem "Gläserne Karten" -Buch?).
Inzwischen finde ich es so gut oder schlecht wie andere Anspiele auch, nämlich dann richtig, wenn es Aussicht auf Erfolg verspricht.
Dafür habt ihr ja auch schon super Beispiele geliefert!
Problematisch wird es halt immer dann, wenn der MS es nicht versteht, weil er noch der vorherigen Generation angehört - aber die versteht ja auch eine scharfe 10 nicht ("Was, die war gar nicht blank??") und davon sollte man sein Spiel nicht abhängig machen.
Auch wenn's manchmal schwerfällt.
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel - unter Null gibt's gar nix - was interessiert mich mein Geschwätz von gerade eben?!?
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon Leichenheinrich » 14. Aug 2015 10:38

Miri23 hat geschrieben: Problematisch wird es halt immer dann, wenn der MS es nicht versteht, [...] davon sollte man sein Spiel nicht abhängig machen.
Auch wenn's manchmal schwerfällt.


Ohrrr Kontrährrr, Madamm! :schlaumeier:

Wenn man feststellt, dass das Gegenspiel prinzipiell nicht harmoniert, sollte man durchaus als "besserer" Skatspieler dem Mitspieler "helfen" und nich stur die Zauberzüge auf den Tisch wemmsen. Was nützt es denn, wenn man so dem AS auch noch die letzten Hecken durch Mißverständnisse gewinnbar macht. Wenn die Karte auf 72 Augen Sieg für GP steht, reichen mir auch 60 und spendiere ein großes Lob an den Spannemann! Die schwer knackbaren müssen doch gar nich alle gefunden werden, wenns nunmal mit ihm nich so funktioniert, wie mans gerne hätte. Versuchen sollte mans selbstverständlich dennoch, wenn der einzig mögliche, schwere Weg erkannt ist.

:bia:

PS: Sorry, fürs Metageschnacke - verschiebts gern ins Off. :verweis:
Zuletzt geändert von Leichenheinrich am 14. Aug 2015 10:59, insgesamt 2-mal geändert.
Eichel = Kreuz
Grün = Pik
Rot = Herz
Schell = Karo

Daus = Ass
Ober = Dame
Unter = Bube
Grang = Grand


"Denke daran regelmäßig zu grunzquieken!" - Conrad Adénower
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon carpe diem 87 » 14. Aug 2015 10:57

HomerJay hat geschrieben:Ich kann da nicht mit irgendwelchen Prozenzahlen um mich werfen, wann gut wann schlecht - häufig blieben mir jedoch Spiele in Erinnerung, wo ich als AS in Hinterhand in der Beifarbe was in der Art hatte:

pi10 pida pi08

...und nach dem ersten Stich piko pias pi08 das Spiel quasi gelaufen war... hätte wesentlich unangenehmer ausgehen können, wenn ich selbst mit Pik hätte antreten müssen.

Vielleicht kann man irgendwie in der Skatfuchs-DB herausfinden, wann blank richtig und wann falsch gewesen wäre?



Dein Spiel ist vermutlich auch mausetot wenn MH den ersten mit der Lusche nimmt ... das blank Anspiel muss eben auch verstanden werden, und abgewogen werden wie die Vorgehensweise am besten ist. Habe ich 3-4 Trumpf nehm ich mit verzichte auf den Stich mit dem König und biete 14 augen auf Schuß an, habe ich nur 1. oder 2 Trümpfe bleib ich nach längerem zögern weg, nun weiß mein Mann ... ahh da steht das Ass und um meine Vollen heim zu bringen muss er vor oder der AS selber antreten... hier kann mein MS halt auch schon erkennen das er u.U. eine Einspielkarte (wie Trumpf Lusche) halten muss ect ect ...
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon Miri23 » 14. Aug 2015 11:00

Ach Heinrich,
da bin ich ganz bei dir, seeehr gerne spiele ich auf dem Niveau des nixigen Mitspielers mit, wenn ich es rechtzeitig schnalle :rolleyes:

Ich meinte mehr, PRINZIPIELL sollte man sein Spiel nicht von Verständnis der Umwelt abhängig machen.
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel - unter Null gibt's gar nix - was interessiert mich mein Geschwätz von gerade eben?!?
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon Hintereisen » 14. Aug 2015 11:11

Der Sinn des Blank-Anspeils ist es doch entweder die besetzt 10 oder das As des AS zu capturen.

Das geht natürlich ausschließlich auf Kosten eines Trumpfes. Ist man selbst Trumpfstark ist der MS heilfroh über jede trumpf die er verstechen kann, also lang anspielen; ist man Trumpfschwach ist das Blankanspiel u.U. die einzige Möglichkeit aus dem schwachen Trumpf Kapital zu schlagen.

Das ist jetzt sehr vereinfacht dargestellt, trifft aber doch das Prinzip auf den Punkt.

Das sonstige Beiblatt ist dabei nicht berücksichtig. Bietet das eine alternative Idee, ist die natürlich vorzuziehen.

Aber selbst wenn ich Trumpfstark bin kann mir das Blankanspiel auf meinen MS helfen im weiteren Verlauf Fehlfarben abzuwerfen um dort die Asse des AS zu kassieren. In dem Fall favorisiere ich das Anspiel aber sich nicht, halte es aber eben auch nicht zwingend für falsch.

Und immer dran denken: euer MS kennt zu Beginn nur seine Karten, nicht Eure. ;)
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon Leichenheinrich » 14. Aug 2015 11:19

Auch von mir noch ausnahmsweise etwas Content: Mut zum Blankausspiel!

Wer sich unsicher ist, sollte einfach mal hier im Forum die alten, absolut hochwertigen Beiträge von Kannnix18 aufstöbern. Dort wird umfassend das Reißverschlußmotiv beleuchtet und klare Vor- und Nachteile aufgezeigt. Ein tolles Motiv, welches prädestiniert ist, um das Blankausspiel für sich selbst auszutesten.
Eichel = Kreuz
Grün = Pik
Rot = Herz
Schell = Karo

Daus = Ass
Ober = Dame
Unter = Bube
Grang = Grand


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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon MonsieurL » 14. Aug 2015 19:49

Wie es der Zufall will, hatte ich gestern ein sehr schönes und vorallem passendes Spiel zu diesem Thread. VH war ein sehr starker Spieler, mit dem ich mich im Gegenspiel im Normalfall sehr gut verstehe, der AS in MH war auch kein Schlechter und in HH saß ich. MH hatte das Spiel für 18 bekommen und spielte Herz. Die ersten drei Stiche liefen wie folgt:

pi08 pi10 pida
krbu heda he08
he07 pibu he09

Ich war also nun am Spiel und führte noch diese Karten:

kr08 kr07 piko kaas ka10 kako ka08

Mit meiner nächsten Karte habe ich das Spiel für uns verloren. Dabei hätte ich überhaupt nur zwei Karten ausspielen können, die uns NICHT den Sieg beschert hätten. Alle anderen hätten gewonnen. Ihr ahnt es nach der Vorrede sicher schon, ich habe jetzt ein Karo Volles gebracht, nämlich die klka10 . Die stach der AS mit Trumpf Ass, zog die beiden Kreuz Vollen durch und war zuhause. Mein Partner war not amused und ich habe bei der anschließenden Diskussion auch den Spielverlust weitgehend auf meine Kappe genommen. Muss ich wohl auch, ich will mich da nicht rausreden.

Aber ich will euch dennoch mal meine Gedanken in dieser Spielsituation verraten, die mich dazu brachten, jetzt das Karo Volle zu spielen. Mich hat der erste Stich total auf dem falschen Fuß erwischt. Da der AS die 10 statt des Asses legte, vermutete ich ein Blankaufspiel meines Partners. Auch ein Anspiel von Doppellusche hatte ich als Möglichkeit auf dem Schirm, da die Karte nicht übermäßig schnell kam. Sie war aber auch nicht bewusst verzögert wie bei einem Anspiel unter Ass. Ich vermutete daher, dass mein Partner bewusst auf eine Geschwindigkeitsannonce verzichtete, um den AS nicht zu sensibilisieren. Zumindest damit lag ich auch richtig, mit allem anderen jedoch nicht. Denn ein Anspiel unter Ass habe ich aufgrund der Spielstärke meines Partners vollkommen ausgeschlossen.

Gebe ich dem AS jedoch zu der Pik 10 auch das Ass, macht ein Pik-Rückspiel keinerlei Sinn. Erst recht, da ich die Möglichkeit auch nicht ausschloss, dass der AS das Ass zu viert gedrückt haben könnte, um sich z.B. mit der bestellten Kreuz 10 eine zweite Fehlfarbe hochzuhalten. Wäre das der Fall, würde ich mit einer Kreuz-Eröffnung jedoch dem AS vermutlich sein Spiel gewinnen, weshalb ich mich auch nach längerer Überlegung dagegen entschied.

War nun alles Quatsch, was ich mir da da zusammenreimte. :( Ich hab mich bei der Spielanalyse schlicht zu unmflexibel gezeigt. Diesen Fehler muss ich mir ankreiden. Ein kleines Aber sei mir jedoch gestattet. Hätte VH die von mir in der Spielsituation eindeutig präferierte blanke Karo Lusche geöffnet, hätte sich der AS sofort strecken können. Und mich hätte mein Partner davor bewahrt, einen Spielfehler begehen zu können, da ich gar nicht erst eine uneindeutige Spielsituation hätte bewerten müssen. Bei komplizierten Spielsituationen entstehen nun mal viel eher Fehler als bei eindeutigen.

Insofern nehme ich mir die Freiheit heraus, meinem Partner zumindest eine kleine Teilschuld an unserer Niederlage zu geben. Das sah er aber gänzlich anders. Seine abschließende Bemerkung zu seinem Ausspiel war: "Das spielt man nunmal deutschlandweit so". Ihr seht also, auch unter guten Spielern herrscht lange nicht in allen Punkten Einigkeit bzgl. der Skattheorie. :)
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon Eric » 17. Aug 2015 20:19

264points hat geschrieben:
carpe diem 87 hat geschrieben:ich kenne keinen einzigen guten Spieler der der Meinung wäre blank = schlecht...


Ich auch nicht. Aber ich kenne auch keinen guten Spieler der sagt blank = gut

Bevor ich hier missverstanden werde will ich noch was ergänzen:
Ich sage nicht, dass es prinzipiell falsch ist blank zu spielen. Es gibt halt Situationen in denen man gar keine andere vernünftige Alternative hat als blank zu spielen.
Was mich nur nervt das sind diese notorischen Blankspieler, die immer wieder und immer wieder und immer wieder blank anspielen und dadurch dem AS das Spiel schon im Aufspiel gewinnen obwohl sie viel bessere Öffnungen gehabt hätten


Genau das kann ich unterschreiben. Auf den Partner immer blank, ohne wenn und aber, da bekomme ich die Kretze. Und im Gegenzug auf den AS niemals auch nur ein Blankaufspiel in Erwägung ziehen, weil es ja der kurze Weg ist. :evil:
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon Eric » 17. Aug 2015 20:36

Hintereisen hat geschrieben:Der Sinn des Blank-Anspeils ist es doch entweder die besetzt 10 oder das As des AS zu capturen.


Und immer dran denken: euer MS kennt zu Beginn nur seine Karten, nicht Eure. ;)


Ich denke, da gibt es noch viele andere Möglichkeiten, z.B. bei zwei Blanken , hohen Kurztrumpf heimstechechen ( zur Not auf zwei Luschen ) usw. usw.

Wie gesagt, Blankaufspiel ist wie alle anderen "Dogmen" - auf den Partner immer die Farbe mit eigenem Ass oder Zehn , auf den Partner immer die Reizung des selbigen aufmachen , Assunterzug , usw. usw - oft ein Problemfaktor, wenn es mechanisch, rücksichtslos und situationsunabhängig erfolgt.
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Re: Skatmythen - Das Blankaufspiel

Beitragvon carpe diem 87 » 17. Aug 2015 21:29

Was macht ihr denn mit dieser hand hier auf den AS in HH bei einen kreuzspiel auf?

krbu kr10 kr09
pias pi10 pi07
heda he09 he07
ka08

Auch hier gibt es NUR eine Karte die gewinnt, und zwar die blanke. Das wollte opi am tisch aber nicht denn man spielt nicht blank....
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