Spielabkürzung durch Gegenspieler

Fragen zur ISkO

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Spielabkürzung durch Gegenspieler

Beitragvon chris » 6. Nov 2025 14:54

Folgender Fall ereignete sich am Spielabend:

Die GS stehen bei 54 Augen. Der zum 8. Stich auspielende GS hat die zwei höchsten Buben und eine Fremdlusche. Der AS hat die drei restlichen Trümpfe Trumpf 7, Karo und Herz Bube. Der andere GS hatte in dem Spiel keinen Trumpf. Nun sagt der ausspielende GS "wir gewinnen immer, weil du auf meine zwei Stiche mindestens einen Buben legen musst und es egal ist ob mein Mitspieler noch was hat oder nicht". Der AS verlangt nun seinerseits Spielgewinn, da der abkürzende GS nicht alle Stiche macht.

Wie ist zu entscheiden?

Mittlerweile habe ich auch das Urteil des ISkG erhalten. Bevor ich dieses veröffentliche, möchte ich gerne den einen oder anderen um Meinung fragen, wie er den Fall entscheiden würde.


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Re: Spielabkürzung durch Gegenspieler

Beitragvon Mathias » 7. Nov 2025 00:38

Die Gegenpartei gewinnt, weil die Aussage korrekt ist und der AS nicht gewinnen kann.

Wenn der Spielgewinn irgendwie noch vom Wimmeln des Mitspielers abhinge, wäre es etwas anderes, aber das Argument ist wasserdicht und die Abkürzung sinnvoll.

Durch das Rufen des Schiesrichters wird es mit dem "kürzen" natürlich nix. Das könnte länger dauern als die fertiggespielte Partie :lach:

Bin gespannt auf die offizielle Wahrheit.
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Re: Spielabkürzung durch Gegenspieler

Beitragvon Skatfuchs » 7. Nov 2025 01:05

Hallo,

normalerweise wäre es logisch, wenn die GS nun gewinnen.
Es gibt aber den § 4.4.5 der Isko (2022) der lautet:
Ein Gegenspieler darf nur dann offen spielen, wenn der Alleinspieler unabhängig von der Spielführung
des Alleinspielers selbst und des nicht abkürzenden Gegenspielers keinen Stich mehr erhalten kann.
Andernfalls gehören die Reststiche dem Alleinspieler.

Mir ist nicht bekannt, dass dieser inzwischen geändert wurde
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Re: Spielabkürzung durch Gegenspieler

Beitragvon chris » 7. Nov 2025 17:59

Hier die Entscheidung des ISkG:

I. Sachverhalt:
Die Gegenspieler stehen bei 54 Augen. Der zum 8. Stich ausspielende Gegenspieler hat die zwei
höchsten Buben und eine Fremdlusche. Der Alleinspieler hat die drei restlichen Trümpfe
Trumpf-7, Karo- und Herz-Bube. Der andere Gegenspieler hatte in dem Spiel keinen Trumpf.
Nun sagt der ausspielende Gegenspieler: „Wir gewinnen immer, weil du auf meine zwei Stiche
mindestens einen Buben legen musst und es egal ist, ob mein Mitspieler noch was hat oder nicht“.
Der Alleinspieler verlangt nun seinerseits Spielgewinn, da der abkürzende Gegenspieler nicht
alle Stiche macht.

II. Entscheidung:
Der Alleinspieler hat sein Spiel verloren.

III. Gründe:
Gemäß ISkO 4.2.9 haben sich alle Mitspieler jeglicher Äußerungen und Gesten zu enthalten, die
geeignet sind, die Karten zu verraten oder den Spielverlauf zu beeinträchtigen.
Gemäß ISkO 4.4.5 darf ein Gegenspieler nur dann offen spielen, wenn der Alleinspieler
unabhängig von der Spielführung des Alleinspielers selbst und des nicht abkürzenden
Gegenspielers keinen Stich mehr erhalten kann. (…) Das Internationale Skatgericht will zum
nächsten Skatkongress 2026 beantragen, diesen Passus der ISkO dahin zu erweitern, dass ein
Gegenspieler nur dann offen spielen darf, bzw. das Spiel abkürzen (durch das Zeigen seiner
Karten oder durch Erklärung), wenn er unabhängig von der weiteren Spielführung der anderen
beiden Spieler den Spielverlust des Alleinspielers nachweisen kann. (…)

Das Internationale
Skat-Gericht
Sitz Altenburg
Präsident
Matthias Bock
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Re: Spielabkürzung durch Gegenspieler

Beitragvon Mathias » 7. Nov 2025 21:44

Eine vernünftige Entscheidung, mit einer tüchtigen Portion "was interessiert mich mein schlechtes Geschwätz von gestern."
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Re: Spielabkürzung durch Gegenspieler

Beitragvon Skatfuchs » 8. Nov 2025 07:52

Mathias hat geschrieben:Eine vernünftige Entscheidung, mit einer tüchtigen Portion "was interessiert mich mein schlechtes Geschwätz von gestern."

Ja, und was machen die Schiris, wenn das Gericht nicht mal nach seinen eigenen Regeln entscheidet??
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Re: Spielabkürzung durch Gegenspieler

Beitragvon chris » 8. Nov 2025 09:05

Dies stand ebenfalls noch im Urteil, m.E. sind diese Anmerkungen gut ....


Diese genannten Vorschriften haben aber bereits jetzt ihre Grenzen in ISkO 1.1.5, wenn es darum
geht, dass alle Teilnehmer sich in jeder Situation fair, sachlich und sportlich zu verhalten und
kein fadenscheiniges Recht zu suchen haben.

Der Alleinspieler kann sein Spiel nicht mehr gewinnen, da die Gegenspieler mindestens 60
Augen erzielen. Damit fehlt es dem Alleinspieler an der kritischen Gewinnmarke von 61 Augen.
Der Alleinspieler sucht einen fadenscheinigen Grund, ein für ihn nicht gewinnbares Spiel als
gewonnen anerkannt zu bekommen.
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