MonsieurL hat geschrieben:Hast du dieses Spielszenario wirklich schon im 2. Stich als potenziellen Spielverlauf gesehen? Oder hast du es dir erst zusammengereimt
Darauf ein ganze klares und allseits beliebtes "
Ja, aber..."
Fangen wir mal etwas grundlegender an und evtl sollte das eher zu einem Beitrag im Theorie-Forum gehören.
Ich habe früher als ich angefangen habe, ebenso hier Herz 10 im 2. Stich geschmiert. Und jedes mal führt das zu einem Szenario, wo man am Ende des Spiel 55 hat, sich beide GS anschauen und sagen
mehr ging eben nicht. Also muss man mal anfangen, etwas anderes zu probieren. Glücklicherweise ergab es sich, dass ich dann selber mal auf die Art und Weise ein Spiel gegen 2 absolute Top-Spieler verlieren durfte. Ich spielte Bube-Bube (mit Kreuz-Karo Bube wohlgemerkt, was ich hier in dem Spiel auch getan hätte, wenn Herz B ein Karo B wäre), wurde 2 mal angeschossen, wollte mir noch ein Bild erschneiden, durfte dann ein Ass wegwerfen und dann noch eins, sodass ich gar keinen Stich mehr machte.

Zugegebenermaßen: Bei meinem skizzierten Spielverlauf oben ist für den AS auch nicht ganz klar, ob Kreuz 10 bestellt und Pik blank war oder MH noch eine Pik hält und Kreuz 10 blank war.
Natürlich hätte ich ganz einfach gewonnen, wenn ich einfach die verbleibenden Asse durchgezogen hätte - ich hätte sogar 2 Bilder bekommen.
Daraus lässt sich ein Motiv ableiten, welches ich gern verfolge:
Wenn der Alleinspieler auf 2 Farben bereits angeschossen ist, nötigt man ihn zum beten, hoffen, durchziehen und stoppt das Bilder-Erschleifen.Dafür müssen natürlich noch maximal viele Karten der beiden Farben draußen sein, damit es überhaupt interessant wird. Das Spiel von hoher Symmetrie auf Vollsymmetrie zu stellen, indem ich statt der 2er-Länge die 4er-Länge kürze, wird also auf dem Weg nicht zum Ziel führen.
Ich probierte das nun selber aus und stellte schnell fest -
funktioniert nicht. Warum? Niemand versteht das auf dem Dorfturnier und beim 3-Serien-Preisskat.

Und dann kommt da halt so eine Pik Dame an, trotz Pik-Abwurf und man endet wieder bei 55, kann sich das Spiel nochmal hinlegen, stellt fest, dass man es im EnDeux abgenommen hätte und kriegt dann zu hören
so spielt aber niemand - natürlich weil man keine Blanke auf den AS spielt im Grand. Erst recht nicht wenn alle Trümpfe raus sind.
Eine Zeit später durfte ich dann endlich 1. BL spielen. Mit mir am Tisch sitzt der nun frisch gebackene Europameister Hartmut Seeber und auf einmal kommt tatsächlich meine ersehnte Blanke nach Schmierung der einfach bestellten Zehn und der AS verlor seinen Grand. Zwei Spieltage später - gleiches Erlebnis mit Frank Dreyer und dann nochmal mit Candy Richter und ich merkte - anscheinend geht es ja doch mit den entsprechenden Mitspielern.
Um zu deiner eigentlichen Frage zurückzukehren:
Nein, ich habe es im 2. Stich nicht bis zum 10. Stich durchgerechnet. Ich spiele auf ein mir bekanntes Motiv, welches sich in der Vergangenheit als deutlich erfolgreicher erwiesen hat, als einfach von Stich zu Stich zu denken, bis man 55 hat. Ob das nun in genau diesem Fall auf 59, 60 oder 61 für die GP reicht, rechne ich in seltenen Fällen aus - dieser gehört normal nicht dazu. Und man sieht ja hier auch ganz klar, dass es extrem eng wird. Der AS darf in meinem Szenario maximal Pik Dame gedrückt haben. Hat er Pik König unten, gewinnt er schon wieder mit 61, weil er Kreuz Dame noch bekommt. Aber die prinzipielle Gewinnidee dahinter, welche ich unter dem oben beschriebenen Motiv habe, ist mir bekannt und darauf wird konsequent gespielt (auch wenn wir mal bei 59 landen). Viele AS würden vermutlich dann auch tatsächlich einfach nach Herz D-Ass-7 in Stich 5 nun 2 Asse ziehen, da sie die Hoffnung auf 2 schwarze Damen haben nach dem Pik Abwurf - oder würden nach Pik Ass sehen, dass keine Dame fällt und nochmal auf Pik aussteigen, was ihnen in dem Fall nicht hilft.
Perspektivwechsel:Jetzt kommen wir zu dem Punkt, den ich spannend finde und bei dem ich auch was dazu gelernt habe in diesem Spiel (und dafür danke Skatfuchs) - dem Blatt von HH. Denn alles steht und fällt mit der Karo Konstellation von HH.
Und man muss schon sagen - es ist die eigentlich hohe Kunst in diesem Spiel, nach Kreuz 10 Schmierung hier

auf
Karo Dame zu wechseln. Viele Kneipenspieler würden - wie hier geschehen - Pik bringen (trotz Abwurf), ich würde die blanke Herz bringen (wir sind wie gesagt bei meinem hypothetischen Szenario wo wir Herz D und Pik D auf den Händen von VH und HH vertauschen). Aber der Sieg gelingt nur, wenn HH den AS zwei Mal anschießen kann und dafür muss er erst Karo aufmachen und dann auf den König wieder vorkommen, um schließlich die Blanke zu bringen. Und dort liegen dann vermutlich auch meine Grenzen - das ist was für die Seferovics und Brkans dieser Welt.
Im Originalspiel - und das geht leider bislang etwas unter - ist auch diese K-D-Konstellation der Knackpunkt des Spiels. Und ja, ich ich hätte hier anders gespielt in Stich 6. Denn von 28 aus, sehe ich einen ganz klaren und einfach Siegweg: Auf 32 stellen, Pik König auf 46 und dann Karo Dame-Ass Einschub um 14 Kreuz zu machen. Von 31 aus, weiß ich allerdings nicht so recht, wie es gehen soll. Und einmal erdachte Siegwege verfolge ich dann doch lieber als im Nebel zu stochern.

Klar muss der AS nur mitnehmen und hat dann gewonnen. Aber der darf ja auch mal einen Fehler machen, oder? Zumal das nicht wirklich einfacher ist, als Karo Dame zu tauchen, wenn die Gegner auf 31 stehen, nur noch 2 Volle draußen sind und er nur noch 2 Luschen abgibt... das schaffen selbst weniger versierte Spieler hier zu realisieren, dass maximal noch 59 drin sind für die GP.